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Schrifttexterklärungen,
Leseprobe, Seite 4
[Ste.01_005,12]
Es heißt dann freilich: Es ist vollbracht! Aber was?
Mein eigener Kampf um euch; denn mehr kann Ich nicht tun, als als euer
Schöpfer, Gott und Herr und das ewige Leben Selbst euren Tod auf Mich
nehmen! [Ste.01_005,13] Daß aber Ich nicht getötet werden kann
in Meinem ewigen Geiste, das braucht keiner weiteren Erklärung. Nur den
Kampf für euer Leben kann Ich bis zur endlos höchsten Stufe treiben.
Aber da ihr selbst endlich seid, so muß auch dieser Kampf irgend ein
möglich höchstes Ziel haben. Ist dieses Ziel erreicht, dann ist der
Kampf vollbracht, von Mir aus betrachtet, aber nichtsdestoweniger etwa
auch bei euch, die ihr Mir, dem vollbringenden Kämpfer um euer Leben, aus
lauter Dankbarkeit statt des lebendigen Liebewassers nur Essig mit Galle
reichet. [Ste.01_005,14] Es ist freilich vollbracht; aber nicht für
euch, sondern leider nur für Mich Selbst, oder: Ich habe für euch
alles getan, was nur immer in der göttlichen Möglichkeit steht; darum
habe Ich Mein Werk um euch vollbracht. Aber tut auch ihr danach, daß
dieses Werk in euch vollbracht wäre? [Ste.01_005,15] O ja, ihr
leset fleißig, ihr schreibet auch fleißig, ihr besprechet euch auch
gern von Mir; aber wenn Ich sage: Widmet Mir an Stelle eurer gewissen
Weltgedanken und an Stelle eurer so manchen Welterheiterungen nur eine volle
Stunde am Tage; heiliget sie dazu, daß ihr euch in derselben mit nichts
als nur mit Mir in eurem Herzen abgebet!, oh, da werdet ihr
hundert Anstände für einen finden, und hundert weltliche Gedanken
werden sich um einen einzigen schwachen geistigen wie ein Wirbelwind drehen!
[Ste.01_005,16] Allerlei weltliche Rücksichten werdet ihr da zum
Vorschein bringen; und wenn sich auch jemand für eine solche Stunde
entschließen möchte, so wird er sich sicher nicht zu sehr freuen auf
diese, sondern wird vielmehr eine kleine unbehagliche Scheu vor derselben haben
und wird dabei fleißig die Minuten auf dem Zifferblatt seiner Uhr
zählen und nicht selten mit Ungeduld auf das Ende des Mir geweihten
Stündleins harren. [Ste.01_005,17] Und käme da nur irgendein
unbedeutendes Weltgeschäftlein dazwischen, so wird das Stündlein
entweder gar kassiert oder wenigstens in eine solche Periode des Tages
versetzt, in welcher sich gewöhnlich schon der wohltätige Schlaf
über die Sterblichen senkt, und in welcher, besonders beim weiblichen
Geschlecht, keine angenehmen Besuche mehr zu erwarten und keine
nervenstärkenden Promenaden mehr zu unternehmen sind. [Ste.01_005,18]
Sehet, das alles ist Essig und Galle! Und es ist in euch dadurch nicht
vollbracht, wenn Ich zufolge Meiner unendlichen Liebe alles Erdenkliche tue, um
euch auf den rechten Weg des Lebens zu bringen; denn zur Vollbringung in euch
ist nötig, daß ein jeder sich selbst verleugne aus wahrer Liebe zu
Mir, sein Kreuz auf sich nehme und Mir treulich nachfolge. [Ste.01_005,19]
Wer aber tut das? Das weibliche Geschlecht kann wohl, wenn es gut geht, den
ganzen Tag für den Leib stechen und heften und kann sich putzen und nicht
selten über die Maßen freuen auf irgendeinen Besuch; aber wenn Ich
dazu sagen möchte: Bleibet daheim in eurem Kämmerlein, und
gedenket in eurem Herzen Mein!, da werden sie traurig, lassen ihre
Gesichter hübsch weit herabhängen und sagen: Aber auf der Welt
haben wir doch nichts Gutes! [Ste.01_005,20] Frage: Ist das nicht
Essig und Galle, wie sich's gehört? Oder halten solche weiblichen Menschen
in ihrem Herzen nicht eine noch so nichtssagende Welterheiterung höher
denn Mich? Haben solche Menschen auch in sich vollbracht, wie Ich am Kreuze
für sie den großen Kampf vollbracht habe? [Ste.01_005,21] Gebet
ihnen angenehme Bücherchen mit allerlei Histörchen, die Meinetwegen
auf Mich Bezug haben sollen; sie werden sie recht gern lesen, besonders wenn
darin dann und wann von einer romantischen Heirat die Rede ist oder darin
wunderbare Märchen vorkommen. Gebt ihnen aber nur ein etwas ernster
abgefaßtes Büchlein; das werden sie gerade mit einem solchen Appetit
lesen, als mit welchem da frißt ein an gute Speisen gewöhnter Hund
eine ihm dargereichte dürre Brotkrume, die er höchstens
anschnüffelt, sie aber dann bald mit gesenktem Schweif und hängenden
Ohren verläßt. [Ste.01_005,22] Da aber das Tun doch immer noch
etwas Ernsteres ist als das alleinige Lesen selbst des ernstesten Buches, so
erklärt sich die Sache von selbst, mit welcher Schwierigkeit da das Tun
wird zu kämpfen haben. [Ste.01_005,23] Es gibt viele, die eine gute
Musik gern von Künstlern hören; aber wie wenige darunter wollen sich
dahin selbstverleugnen, um durch ein angestrengtes Studium selbst Künstler
zu werden. [Ste.01_005,24] Es ist leicht das Hören und nicht schwer
das Lesen und ebenso leicht das Zuschauen; aber das Selbsttun ist für
jedermann von keinem großen Reiz. Was nützt aber jemandem das Wissen
und Nicht-Tun-danach? [Ste.01_005,25] Sehet, das alles ist Essig mit Galle
und bringt das Vollbringen nicht zuwege! In Mir wohl, indem Ich jedermann alles
Erdenkliche dazu gebe, aber nicht in dem Menschen, der das nicht also
und dazu benutzen will, wie und warum Ich es ihm gebe. [Ste.01_005,26]
Daher seid nicht eitle Hörer, sondern Täter des Wortes! Denn nur als
Täter löschet ihr Meinen Durst mit dem lebendigen Liebewasser, sonst
aber reichet ihr Mir allzeit Essig und Galle. [Ste.01_005,27] Ich meine,
das wird auch klar sein; aber nächstens dennoch der Zentralsonnen mehr!
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