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Schrifttexterklärungen,
Leseprobe, Seite 3
[Ste.01_002,17]
So heißt es ja auch: Wer da hat, dem wird's gegeben werden,
daß er in der Fülle habe; wer aber nicht hat, der wird aber auch
noch verlieren, was er hat! Unter haben wird hier verstanden:
im Besitze eines guten, gedüngten und gepflügten Ackers sein oder in
sich selbst sein ein vollkommenes Gefäß, voll der echten wahren
Goldtinktur, welche da ist ein freier, lebendiger Geist. Unter nicht
haben aber wird verstanden: einen Samen auf ein unbearbeitetes Feld
streuen, wodurch der Sämann nicht nur keine Ernte zu erwarten hat, sondern
er verliert auch den Samen, den er ausgestreut hat; oder es heißt auch:
in sich eine grobschwefelsalzhaltige Pfütze sein, welche nicht nur nimmer
zu einer Goldtinktur durch das hineingeworfene Gold umgewandelt werden kann,
sondern es geht das Gold, das hineingeworfen wurde, noch obendrein verloren.
[Ste.01_002,18] Ich meine, das dürfte doch so ziemlich klar sein! Wer
beim Lichte dieser Fackel die Wahrheit noch nicht ersieht, der dürfte wohl
schwerlich je von seinem Augenstare befreit werden. Da aber, wie schon gesagt,
der blinde Mensch des Lichtes nie zuviel hat, so will Ich auch bei der Gabe
dieser Sonne noch gegen das Ende das Licht aller Zentralsonnen auf einen Punkt
zusammenziehen, damit sich in solchem allerheftigsten Lichte um so klarer wird
entnehmen lassen, wer da im Ernste ganz vollkommen blind ist!
Nächstens darum solcher Nacherinnerungen mehr!
...
5.
Kapitel Mich dürstet! Es ist
vollbracht! (Johannes 19,28 u. 30)
28.
Dezember 1843 abends [Ste.01_005,01] Damit ihr aber nicht etwa am
Ende sagen möchtet, als sei nicht ein jeder Text eine völlige
Zentralsonne, sondern nur ein solcher etwa, den Ich Selbst hierher setze, so
wählet euch denn selbst einen Text, wie ihr ihn nur immer wollt, und wir
werden dann sehen, ob er nicht ganz einen und denselben Hauptgrund als eine
gleiche Zentralsonne vor den Augen des Geistes allerhellst erleuchtet. Und also
tuet solches! [Ste.01_005,02] Ihr habt die beiden kleinen Texte genommen:
Mich dürstet! und Es ist vollbracht!
[Ste.01_005,03] Bevor wir aber zu der klaren Beleuchtung übergehen,
muß Ich euch schon die Versicherung geben, daß Ich euch die Wahl
vollkommen freigelassen habe; denn sonst könntet ihr am Ende sagen, Ich
hätte euch gerade das eingegeben, was Ich brauchen kann. Und nun erst
gehen wir zur Hauptsache über! [Ste.01_005,04] Mich
dürstet! Wonach? Nach der Liebe, die die Welt nicht hat,
darum sie Mir auch nur Essig und Galle zur Stillung Meines Durstes statt des
belebenden Wassers reichte und noch bis jetzt fortan immer reicht.
[Ste.01_005,05] Mich dürstet! Wonach? Nach dem Leben, das
Ich Selbst ursprünglich von Ewigkeit Selbst bin, und das Ich in so
reichlicher Fülle von Urbeginn an ewig zahllose Wesen verschwendet habe!
[Ste.01_005,06] Also nach diesem Leben dürstet Mich! Endlos vielfach
ist dieses Leben in den Tod übergegangen. Ich kam, um es dem Tode zu
entreißen. Darum dürstete Mich gar sehr im Augenblick der
großen Erlösung nach diesem verschwendeten Leben; aber der Tod hatte
so sehr überhandgenommen, daß ihn das ewig lebendige Blut der Liebe
nicht zu erwecken vermochte! [Ste.01_005,07] Als Ich verlangte zu trinken
das Leben, da gab man Mir aber dennoch nicht das Leben, sondern man gab Mir zu
trinken den Tod! Essig und Galle war der Trank; Essig als das Symbol des
Zusammenziehenden und Verhärtenden und die Galle als das Symbol des
Hasses, Zornes und Grimmes. [Ste.01_005,08] Dieses Bild ist klar und
deutlich dargestellt, und wir wollen sehen, wie es fürderhin für
unsere Sache taugt. [Ste.01_005,09] Sehet, also rufe Ich zu aller Welt, wie
zu euch, fortwährend: Mich dürstet!, oder was ein und
dasselbe ist: Liebet Mich, gebet Mir zu trinken eure Liebe! Liebet Gott
über alles und euren Nächsten wie euch selbst! Das ist das Wasser des
Lebens, danach Mich in euch dürstet. [Ste.01_005,10] Frage:
Reichet ihr Mir wohl dieses Wasser? Oder reichet ihr Mir nicht vielmehr auch
Essig und Galle? [Ste.01_005,11] Das wenige, das Ich von euch verlange, ist
nichts als die Liebe und die Tat danach. Wenn ihr aber anstatt der wahren,
lebendigen Liebetat nur leset und dabei nichts tut, außer was eurem
Weltsinne so oder so zusagt, Frage: Ist das nicht Essig mit Galle, das
ihr Mir an Stelle des lebendigen Wassers reicht? Ja, Ich sage euch: Je mehr ihr
zusammenleset und dabei aber nichts tut, als was euch nach eurem Sinne weltlich
erfreut, desto saurer wird der Essig und desto bitterer die Galle.
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