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Jakob
Lorber
Schrifttexterklärungen
Bibeltexte
und ihr geheimer Sinn
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Durch
das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber. Nach der Fünften Auflage
1985. Lorber-Verlag Hindenburgstraße 5 D-74321
Bietigheim-Bissingen. Alle Rechte vorbehalten. Copyright © 2000 by
Lorber-Verlag, Bietigheim.
...
1.
Kapitel Eine gute Regel zum nutzbringenden Lesen des Alten und Neuen
Wortes.
20.
Dezember 1843 abends [Ste.01_001,01] Meine lieben Kinder! Mit diesen
folgenden Nacherinnerungen will Ich euch eine gar wichtige und
nützliche Regel geben, ohne die ihr euch durch die Lesung was immer
für geistiger guter Bücher keinen Nutzen verschaffen könnet. Ihr
möget die Heilige Schrift, wie auch dieses Neue Wort tausendmal
nacheinander durchlesen, so werdet ihr aber dennoch ohne diese Regel stets auf
dem alten Flecke stehenbleiben. [Ste.01_001,02] Ihr habt euch durch das
öftere Lesen wohl euer Gedächtnis so recht gepfropft voll angestopft;
fraget aber euren Geist, was er davon gewonnen hat, und seine stumpfe Antwort
wird also lauten: [Ste.01_001,03] Ich bin wohl chaotisch von allerlei
Baumaterialien umlagert, und da liegen Balken und Steine bergartig
übereinander; aber aus allen diesen Baumaterialien ist noch nicht einmal
irgendeine schlechte Keusche erbaut, in der ich frei zu wohnen vermöchte.
Ihr häufet zwar das Baumaterial fortwährend auf lauter
Edelsteine und das schönste Zedernholz liegt in plumpen Haufen vor mir
, und ich vermag es nicht zu ordnen. Und habe ich hier und da auch irgend
angefangen, eine kleine Ordnung herzustellen, da führt ihr schon wieder
eine kolossale Menge neuen Materials dazu, so daß ich notwendig in meiner
Tätigkeit ermüden muß und am Ende beim Anblick der
Größe des zu ordnenden Materials erschaudere und mit Wehmut denke,
wann doch einmal all dieses Material zu einer Wohnung wird geordnet werden
können. [Ste.01_001,04] Sehet, das ist eine ganz gründliche
Antwort des Geistes, die ein jeder Mensch, der irgend viel gelesen hat, in sich
selbst auf das allerklarste finden muß. [Ste.01_001,05] Wenn so
jemand sein Leben hindurch ein paar tausend Bücher durchgelesen hat, welch
ein Chaos hat er am Ende in seinem Gedächtnisse! Und wenn es gut geht, so
wird er nach einer solchen reichhaltigen Belesenheit mit genauer Not so viel
hervorbringen, daß er jetzt erst einsieht, daß er nichts
weiß. [Ste.01_001,06] Was aber ist dieses Geständnis? Es ist
nichts anderes als eine und dieselbe wehmütige Klage des Geistes, der
dadurch das sagen will, daß er bei dieser ungeheuren Menge des
Baumaterials nicht einmal eine allerschlechteste Keusche zur freien Wohnung
erbaut überkam! [Ste.01_001,07] Also gibt es Menschen, die das Alte
und Neue Testament von Wort zu Wort auswendig kennen; fraget sie aber um den
inneren Sinn nur eines einzigen Verses, so werden sie da geradesoviel wissen
wie diejenigen, die nicht einen einzigen Vers auswendig können, ja oft
kaum wissen, daß da eine Heilige Schrift existiert. Was nützt also
denen dieses herrliche Material? [Ste.01_001,08] Der Geist wohnt nur im
Geistigen: Kann ihm aus diesem Material nicht einmal eine schlechte Keusche
erbaut werden im inneren Geiste der Wahrheit, wo soll er dann wohnen, wo seine
Rechnung führen, und von welchem Punkte aus soll er das Material zu ordnen
anfangen? [Ste.01_001,09] Ist es denn nicht besser, weniger Material zu
besitzen, aus demselben aber für den Geist sogleich eine kleine
respektable Wohnung zu erbauen, damit der Geist dann einen festen und freien
Platz bekommt, von welchem aus er seine nächsten Pläne machen kann
und verwenden nach denselben ein neu anlangendes Material? [Ste.01_001,10]
Was wird ein Acker wohl für ein Gesicht bekommen, wenn er auch das beste
Erdreich ist, so ihr tausenderlei Samen, in der größten Unordnung
durcheinandergemengt, zu gleicher Zeit auf denselben aussät? Die Samen
werden richtig aufgehen; aber zu welchem Nutzen für den Sämann?
Fürwahr, der Ertrag dieses Ackers wird kaum für eine schlechte
Fütterung des Viehes taugen. Die stärkeren Pflanzen werden die
schwächeren ersticken, das Unkraut wird wuchern, und das Weizenkorn wird
nur hier und da sparsam und sehr verkümmert und brandig zum Vorschein
kommen. [Ste.01_001,11] Aus diesem aber geht hervor, daß
überall, wo für euch ein Nutzen heraussehen soll, eine Ordnung
bewerkstelligt sein muß, ohne die ihr Dornen, Disteln, Kraut und
Rüben durcheinanderbaut, was euch nimmer irgend nützen kann.
[Ste.01_001,12] Worin aber besteht diese Ordnung? [Ste.01_001,13] Wenn
ihr einen geläuterten Weizen habt, so säet ihn auf einen reinen und
guten Acker, und ihr werdet eine reine und gute Ernte bekommen.
[Ste.01_001,14] Wer da eine gute Baustelle hat und hat Material dazu, der
warte nicht, bis er eher einen überflüssigen Haufen Baumaterial
zusammenbekommen hat, bis er dann erst sein Haus zu bauen anfangen möchte;
denn er wird sich mit dem großen Haufen Baumaterial am Ende den ganzen
Bauplatz voll anführen. [Ste.01_001,15] Und so dann der Baumeister
kommen wird und wird ihn fragen: Freund, an welcher Stelle willst du denn
das Haus aufgeführt haben?, was wird er ihm dann entgegnen? Sicher
nichts anderes als: Allda, Freund, wo der große Haufen des
Baumaterials liegt! [Ste.01_001,16] Und der Baumeister wird zu ihm
sagen: Warum ließest du denn dieses Material auf dem Bauplatze
zuvor aufhäufen, bevor wir den Plan gemacht und den Grund gegraben haben?
Willst du nun das Haus auf dieser Stelle haben, so mußt du all dieses
Material eher zur Seite schaffen und mußt den Platz ganz frei machen.
Dann erst werde ich kommen, werde den Platz ausmessen, den Plan entwerfen,
danach den Grund graben lassen und am Ende erst das Material prüfen, ob es
durchaus zur Erbauung deines Hauses taugt. [Ste.01_001,17] Sehet, aus
diesem Gleichnis könnt ihr schon ziemlich klar entnehmen, wie wenig
jemandem eine große Belesenheit nützt, wenn er mit derselben nicht
in der wahren Ordnung fortschreitet. [Ste.01_001,18] Worin aber besteht
diese wahre Ordnung? Diese wahre Ordnung besteht ganz einfach darin, daß
ein jeder eine jede neue Ladung oder Überkommung des Materials alsogleich
zu einem Wohngebäude zu ordnen anfängt und nicht eher nach einer
zweiten Ladung greift, als bis er die erste verarbeitet hat. Auf diese Weise
wird er in seinem Bau rasch vorwärtsschreiten und wird um denselben immer
genug freien Raum haben, auf welchem er in guter Ordnung ein hinlängliches
neues Baumaterial aufschichten kann. [Ste.01_001,19] Auf deutsch und ganz
verständlich gesagt aber besteht diese Ordnung darin, daß jeder nach
dem Gelesenen sogleich tätig werde und sein Leben danach einrichte,
so wird ihm das Gelesene nützen, im Gegenteil aber schaden; denn jeder sei
nicht nur ein purer Hörer des Wortes, sondern ein Täter desselben!
[Ste.01_001,20] Nächstens der Erinnerungen mehr!
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