Die große Zeit der Zeiten – Pathiel, Leseprobe, Seite 2

5.
[Pa.01_005] Was meinst du treuer Forscher in der Gottheit Wunderhallen,
das welche Wunder ist das größte wohl in allen Allen? –
Du sagst: Das Licht ist wohl das größte, das ein Aug mag schauen,
denn ohne Licht wär eine Torheit, eine Welt zu bauen! –
So übel war, du Forscher, deine Antwort wohl mitnichten;
denn nur im Lichte pflegt der Große alle Werk' zu richten.
Doch wenn das Licht du möchtest als der Wunder größtes preisen
und so der Wirkung statt dem Grunde deine Treu erweisen,
wär das nicht so, als wenn da jemand ernstlich möchte sagen:
Der Tag ist größer denn die Nacht, gemacht das Licht zu tragen.

6.
[Pa.01_006] O wahrlich! nicht das Licht ist es, das unter allen Taten
als aller Wunder größtes sich in Meiner Größe möcht beraten;
denn wär im Lichte wohl zu finden Meiner Taten größte,
auf daß sie dir daselbst der Knoten allverworrnsten löste,
so wär der kleinste Funke, der dem Lichte ist entsprossen,
als Licht dem großen Lichte gleich, das allorts ausgegossen
ist über Sonnen, Welten und in allen freien Räumen,
in welchen erst zu neuen Sonnen große Samen keimen.
O sieh, wie arg du treuer Forscher so dich hast gefangen!
Daher du sollest richten nach was andrem dein Verlangen. –

7.
[Pa.01_007] Was meinst du trauter Späher, wühlend in der Sterne Bahnen,
was dünkt als Größtes dir, daran dich deine Sterne mahnen? –
Du sagst: Der Raum ist es, in dem sich alle Größen messen,
in dem am End' doch aller Größen größte wird vergessen. –
Auch du hast übel nicht, Ich sag es dir, das Ding beraten,
denn in dem Raum sind ja vollbracht von Mir die größten Taten;
ja ohne Raum möcht niemand auch nur eine Milb' erschaffen,
nicht einmal ein gar kleinstes Atom von der Stelle schaffen.
Doch wenn den Raum du als das Allergrößte magst bekennen,
mit welchem Namen wirst du denn die Ewigkeit belehnen? –

8.
[Pa.01_008] O sieh, wie gröblich wieder du an Mir dich hast betrogen, –
nicht Mich, nicht andre, höre! – dich nur hast du angelogen!
Denn wär der Raum das Größte, wie du irrig pflegst zu meinen,
o siehe, alle Engel würden solche Größ' beweinen!
Sie würden sagen: Wo zwei gleiche Größen sich aufwiegen,
wie soll da eine wohl der andern weichend unterliegen? –
Denn wo der Tatengrößen sich als Größte soll bekunden,
da wird von Raum und Zeit und Licht fürwahr nicht viel empfunden;
denn außer Raum und Zeit gestellt ist schon des Geistes Leben,
wie soll denn der besiegte Raum dir das Bedungne geben?! –

9.
[Pa.01_009] Was möchtst du heller Seher Mir als Größtes denn besingen
und so als hoher Fragen Preis die Weisheit dir erringen?
Doch merk, nur eines darfst aus deiner Kammer du Mir nennen;
denn zwei kann niemand je als eine Größe gar bekennen! – –
Du sagst: Es ist ja die Unendlichkeit! – Ich bin zufrieden,
denn Größres mag dein Mund wohl nennen nicht im Raum hienieden.
Und wahr ist es, es wieget die Unendlichkeit die Größen
sowohl in Zeit und Raum, und alles wird nach ihr bemessen.
Doch eines hätten wir, Mein heller Seher, bald vergessen:
wonach die Fruchtbarkeit der Infusionen wird gemessen?!

10.
[Pa.01_010] Spricht denn Endloses sich in Zeit und Raum nur aus hienieden? /
Was ist denn jeder Teilung dann hernach für Los beschieden?
Und findst Endloses du bei eines Stäubchens Teilung walten
und siehst, daß solches eigen ist den niedrigsten Gestalten,
wie mochtst du wohl erwähnet haben, das nicht löst die Frage,
in welcher Ich für dich und alle Kinder Liebe trage! –
Und wär Unendlichkeit das Größte, das du Mir magst nennen,
o sieh, was möcht Mich dann, wie dich, vom losen Staube trennen?
Und möcht ein Ding so klein und kleiner als ein Punkt dir scheinen,
Unendlichkeit ist's innen, glaub, sonst wirst dein Irr' beweinen!

11.
[Pa.01_011] O sieh, was zahllos Dingen ist zu gleichen Graden eigen,
wie könnt in solchem sich denn Meine größte Größe zeigen,
wo eines vor dem andern nicht ein Atom hat zuguten –
wie wär darinnen Meiner Taten größte zu vermuten!?
Ist denn ein Unterschied von einer Welt zu einer Milbe?
O sag ein endlos Mehr aus beiden Mir in einer Silbe!
Und kannst du solches nicht zur Stell gar leicht zuwege bringen,
Ich sag, wirst leichtlich nicht zur Lösung Meiner Frage dringen.
Denn wahrlich, im Endlosen ist das Größte nicht begraben,
daher wirst du schon müssen an was andrem dich erlaben. –
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