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Die
natürliche Sonne, Leseprobe, Seite 2
[NS.01_004,10]
Nehmet ihr nun an, daß die Sonne über eine Million Mal
größer ist als eure Erde, so leuchtet es ja von selbst ein,
daß dadurch alle noch so ferne stehenden Sonnen dieses Sonnenalls auf der
weiten Luftoberfläche dieser Sonne ein bedeutendes Lichtbild hervorrufen
müssen, so zwar, daß da selbst die Sonnen ferne stehender
Sonnengebiete, die auf eurer Erde selbst dem scharf bewaffneten Auge als ein
Nebelfleck erscheinen, einen Durchmesser von ein, zwei bis drei Zoll erlangen
und so stark leuchten, daß ihr ein solches Bild vermöge des starken
Glanzes nicht eine Sekunde lang mit freiem Auge anzuschauen vermöchtet.
[NS.01_004,11] Nun denket euch erst die Abbilder näherstehender
Sonnen, welche nicht selten einen Durchmesser von hundert bis tausend
Quadratmeilen einnehmen; vervielfacht diese zahllosen Sonnenlichtbilder auf der
weiten Sonnenluft-Kugeloberfläche, so werdet ihr dadurch zu einer solchen
Lichtintensität gelangen, vor welcher euer ganzes Gemüt erschauern
wird. [NS.01_004,12] Sehet, das ist der eigentliche Grund des
tagtäglich euren Planeten erleuchtenden Sonnenlichtes. Diese
Erklärung aber wird euch das Frühere doch notwendigerweise erhellen,
und ihr werdet leicht einsehen, wie die Bewohner des Sonnenplaneten durch die
scheinbare Lichthülle der Sonne recht wohl (hin-)durchschauen können,
während das Hineinschauen für jedes fleischliche Auge eine
allerbarste Unmöglichkeit ist. [NS.01_004,13] Solches
wüßten wir demnach. Dessenungeachtet aber sehe Ich doch eine ganz
versteckte Frage in euch, und diese lautet also: Diese aufgestellte
Sonnenlichtglanz-Theorie scheint für sich ganz vollkommen richtig zu sein,
daß nämlich dadurch die Sonnen in ihrer Gesamtheit sich also
erleuchten. Aber wenn jede Sonne also leuchtet, so fragt es sich, woher denn
eigentlich dann alle zusammengenommen das Licht hernehmen, wenn jede ihr
Licht nur durch die Aufnahme der Strahlen von andern Sonnen bekommt, welches
mit andern Worten eben so viel sagen will als, daß keine Sonne für
sich selbst ein Licht hat, sondern jede nur mit dem Widerscheine des Lichtes
anderer Sonnen prangt. Woher haben dann diese andern Sonnen ihr Licht?
Denn wenn die vorbenannte Lichttheorie vollkommen richtig ist, so ist
jede Sonne an und für sich vollkommen finster. Woher dann das
Gegenstrahlen? [NS.01_004,14] Sehet, das ist eine ganz gute Frage.
Da aber die Beantwortung dieser Frage für euer Verständnis etwas
umständlicher sein muß, so soll sie erst in der nächsten
Mitteilung erfolgen. Und somit gut für heute!
5.
Kapitel Die selbstleuchtende Hauptmittelsonne. Das
Spiegellicht der Untersonnen.
[NS.01_005,01]
Auf welche Art alle Sonnen zusammengenommen und wieder jede einzeln für
sich so leuchtend werden, daß das Licht einer Sonne sich auf der
Luftoberfläche einer andern Sonne abspiegelt, soll euch ebenfalls durch
ein leicht faßliches Beispiel kundgegeben werden. Nehmet an ein Zimmer,
dessen Wände da wären aus lauter hell poliertem Spiegelglas, welches
schon mit der Metallmischung belegt ist und sonach einen vollkommen reinen
Spiegel abgibt. Denket euch aber noch dazu den Raum dieses Zimmers inwendig als
vollkommen rund, so zwar, als wäre das Zimmer eine große, hohle
Kugel. Nun behängt dieses Zimmer oder vielmehr diese hohle Spiegelkugel
mit allerlei großen und kleinen spiegelblank polierten Glas- oder
Metallkugeln. In die genaue Mitte dieses hohlen Raumes aber bringet einen
Lüster an, der da hätte ein starkes Licht. Wenn solches alles
dargetan ist, dann sehet all die kleinen polierten Kugeln an, welche in diesem
hohlen Raume hängen, wie sie samt und sämtlich von allen Seiten also
beleuchtet sind, als wären sie selbstleuchtende Körper. Woher
rührt denn das? [NS.01_005,02] Solches ist ja gar leicht einzusehen.
Die Wände, welche da spiegelblank sind, werfen von allen Seiten das
Licht, welches vom Lüster ausgeht, nicht etwa geschwächt, sondern
angesammelt und somit potenziert gegen den Lüster wieder zurück. Auf
diese Weise sind alle in dem hohlen Raume aufgehängten Kugeln ja von allen
Seiten vielfach erleuchtet: erstens vom wirklich selbständigen Lichte des
Lüsters; sodann vom zurückgeworfenen Licht von den
Spiegelwänden, welche zusammengenommen einen kontinuierlichen Hohlspiegel
bilden, der seine Brennweite genau im Zentrum seines eigenen Raumes hat. Und
drittens werden diese freihängenden Kugeln durch ihr gegenseitiges
Widerstrahlen und durch das Widerstrahlen ihres aufgenommenen Lichtes, welches
ebenfalls von den Spiegelwänden aufgenommen und wieder zurückgeworfen
wird, und endlich noch durch das allgemeine Gegenstrahlen des Lichtes von den
Wänden des Spiegels zu den entgegengesetzten Spiegelwänden
erleuchtet. [NS.01_005,03] Nun sehet, dieses Bild ist mehr als
genügend zur Beantwortung der vorliegenden Frage; denn wie sich die Sache
des Leuchtens verhält in unserer hohlen Kugel, also verhält sich die
Sache auch in der großen Wirklichkeit. Denket euch statt der
großen Spiegelkugel die euch bekannte Hülsenglobe, welche da besteht
in ihrer, wenn schon für eure Begriffe unendlichen Umfassung aus einer Art
ätherischen Wassermasse. Und denket euch dann in der Mitte der
Hülsenglobe die für eure Begriffe wirklich endlos große
Zentralsonne, welche auf allen ihren endlos weiten Flächen von den
immerwährend allerintensivst leuchtenden Feuerflammen umgeben ist (welche
da herrühren von den Geistern, die entweder hier ihre Reinigung ausgehend
beginnen, oder welche dieselbe rückkehrend vollenden), so habt ihr dann
auch schon alles, was da zur vollkommenen Beantwortung der gegebenen Frage
nötig ist. Das Licht dieser großen Zentralsonne dringt bis zu den
vorbenannten Wänden dieser Hülsenglobe, von da wird es wieder
zurückgeworfen durch freilich für eure Begriffe nahe endlos weite
Räume und Sonnengebiete. Aber was euch noch so weit und groß
dünkt, ist vor Meinen Augen kaum mehr, als wenn ihr ein Sandkörnchen
in eure Hand nehmen würdet, um damit zu spielen. [NS.01_005,04] Da die
Fähigkeit aller Sonnen dargetan wurde, wie sie zufolge ihrer weiten
Luftoberfläche gar wohl imstande sind, das diese Oberfläche
berührende Lichtbild einer andern Sonne aufzunehmen und es dann wieder von
sich zu geben also, wie da ein Spiegel das Licht aufnimmt und es wieder
zurückgibt, so werdet ihr nun das starke Leuchten der Sonne um so
mehr begreifen, so ihr wisset, daß sich in einer solchen Hülsenglobe
ein allgemeiner, für eure Begriffe endlos großer, selbstleuchtender
Sonnenlüster befindet, dessen Licht hinaus bis zu den Wänden der
Hülsenglobe dringt und somit auf diesem Wege schon eine jede Sonne zur
Hälfte erleuchtet; wann es aber von den äußeren Wänden
zurückgeworfen wird, auch sodann die entgegengesetzte Seite vollkommen
gleich erhellt; und wenn dann auf diese Weise alle Sonnen einer
Hülsenglobe gehörig erleuchtet sind, sie sich dann auch noch dazu
zahllosfältig gegenseitig beleuchten. [NS.01_005,05] Wenn ihr ein
wenig nur geordnet zu denken vermöget, so kann euch nun unmöglich
mehr undeutlich sein, woher dann eine Sonne ihr starkes Licht nimmt.
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