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Jugend
Jesu, Leseprobe, Seite 4
[JJ.01_002,23]
Zuerst kam die Arbeit an dem Scharlach, der da mit großer Aufmerksamkeit
mußte gesponnen werden, um den Faden ja nicht hier und da dicker oder
dünner zu machen. [JJ.01_002,24] Mit großer Meisterschaft wurde
der Scharlachfaden von der Maria gesponnen, so daß sich alles, was nur
ins Haus Josephs kam, höchlichst verwunderte über die
außerordentliche Geschicklichkeit Mariens. [JJ.01_002,25] In kurzer
Frist von drei Tagen ward Maria mit dem Scharlach zu Ende und machte sich
sodann alsogleich über den Purpur; da sie aber diesen stets annässen
mußte, so mußte sie während der Arbeit öfter den Krug
nehmen und hinausgehen, sich Wasser zu holen.
3.
Kapitel Die Ankündigung der Geburt des Herrn durch einen Engel.
Marias demutvolle Ergebenheit.
28.
Juli 1843 [JJ.01_003,01] An einem Freitage morgens aber nahm Maria
abermals den Wasserkrug und ging hinaus, ihn mit Wasser zu füllen, und
horch! eine Stimme sprach zu ihr: [JJ.01_003,02]
Gegrüßet seist du, an der Gnade des Herrn Reiche! Der Herr ist
mit dir, du Gebenedeite unter den Weibern! [JJ.01_003,03] Maria aber
erschrak gar sehr ob solcher Stimme, da sie nicht wußte, woher sie kam,
und sah sich darum auch behende nach rechts und links um; aber sie konnte
niemanden entdecken, der da geredet hätte. [JJ.01_003,04] Darum aber
ward sie noch voller von peinigender Angst, nahm eiligst den gefüllten
Wasserkrug und eilte von dannen ins Haus. [JJ.01_003,05] Als sie da bebend
anlangte, stellte sie sobald den Wasserkrug zur Seite, nahm den Purpur wieder
zur Hand, setzte sich auf ihren Arbeitssessel und fing den Purpur wieder gar
emsig an fortzuspinnen. [JJ.01_003,06] Aber sie hatte sich noch kaum so
recht wieder in ihrer Arbeit eingefunden, siehe, da stand schon der Engel des
Herrn vor der emsigen Jungfrau und sprach zu ihr: [JJ.01_003,07]
Fürchte dich nicht, Maria, denn du hast eine endlos große
Gnade gefunden vor dem Angesichte des Herrn; siehe, du wirst schwanger werden
vom Worte Gottes! [JJ.01_003,08] Als Maria aber dieses vernommen
hatte, da fing sie an, diese Worte hin und her zu erwägen, und konnte
nicht erfassen ihren Sinn; darum sprach sie denn zum Engel: [JJ.01_003,09]
Wie solle denn das vor sich gehen, bin ich doch noch lange nicht eines
Mannes Weib und habe auch noch nie dazu eine Bekanntschaft mit einem Manne
gemacht, der mich sobald nähme zum Weibe, auf daß ich gleich andern
Weibern schwanger würde und dann gebäre ihnen gleich?
[JJ.01_003,10] Der Engel aber sprach zur Maria: Höre, du
erwählte Jungfrau Gottes! Nicht also solle es geschehen, sondern die Kraft
des Herrn wird dich überschatten. [JJ.01_003,11] Darum wird auch das
Heilige, das da aus dir geboren wird, der Sohn des Allerhöchsten genannt
werden! [JJ.01_003,12] Du sollst Ihm aber, wann Er aus dir geboren wird,
den Namen Jesus geben; denn Er wird erlösen Sein Volk von all den
Sünden, vom Gerichte und vom ewigen Tode. [JJ.01_003,13] Maria
aber fiel vor dem Engel nieder und sprach: Siehe, ich bin ja nur eine
Magd des Herrn; daher geschehe mir nach Seinem Willen, wie da lauteten deine
Worte! Hier verschwand der Engel wieder, und Maria machte sich
wieder an ihre Arbeit.
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