|
Jugend
Jesu, Leseprobe, Seite 3
2.
Kapitel Der neue Vorhang im Tempel. Marias Arbeit am Vorhang.
[JJ.01_002,01]
Es war aber zu der Zeit noch ein Vorhang im Tempel vonnöten, da der alte
hie und da schon sehr schadhaft geworden war, um zu decken das Schadhafte.
[JJ.01_002,02] Da ward denn von den Priestern ein Rat gehalten, und sie
sprachen: Lasset uns einen Vorhang machen im Tempel des Herrn zur Deckung
des Schadhaften. [JJ.01_002,03] Denn es könnte ja heute oder morgen
der Herr kommen, wie es geschrieben steht, wie würden wir dann vor
Ihm stehen, so Er von uns den Tempel also verwahrlost fände?
[JJ.01_002,04] Der Hohepriester aber sprach: Urteilet nicht doch gar
so blind, als wüßte der Herr, dessen Heiligtum im Tempel ist, nicht,
wie nun da bestellet ist der Tempel! [JJ.01_002,05] Rufet mir aber dennoch
sieben unbefleckte Jungfrauen aus dem Stamme Davids, und wir wollen dann eine
Losung halten, wie da die Arbeit ausgeteilt sein solle!
[JJ.01_002,06] Nun gingen die Diener aus, zu suchen die Jungfrauen aus dem
Stamme Davids und fanden mit genauer Not kaum sechs und zeigten solches dem
Hohenpriester an. [JJ.01_002,07] Der Hohepriester aber erinnerte sich,
daß die dem Joseph erst vor wenigen Wochen zur Obhut übergebene
Maria ebenfalls aus dem Stamme Davids sei, und gab solches sobald den Dienern
kund. [JJ.01_002,08] Und sobald gingen die Diener aus, zeigten solches dem
Joseph an, und er ging und brachte Mariam wieder in den Tempel, geleitet von
den Dienern des Tempels.
27.
Juli 1843 [JJ.01_002,09] Als aber die Jungfrauen in der Vorhalle
versammelt waren, da kam sobald der Hohepriester und führte sie allesamt
in den Tempel des Herrn. [JJ.01_002,10] Und als sie da versammelt waren in
dem Tempel des Herrn, da sprach sobald der Hohepriester und sagte:
[JJ.01_002,11] Höret, ihr Jungfrauen aus dem Stamme Davids, der
da verordnet hatte nach dem Willen Gottes, daß da die feine Arbeit am
Vorhange, der da scheidet das Allerheiligste vom Tempel, allzeit solle von den
Jungfrauen aus seinem Stamme angefertigt werden, [JJ.01_002,12] und solle
nach seinem Testamente die mannigfache Arbeit durch Verlosung ausgeteilt
werden, und solle dann eine jede Jungfrau die ihr zugefallene Arbeit nach ihrer
Geschicklichkeit bestens verfertigen! [JJ.01_002,13] Sehet, da ist vor euch
der schadhafte Vorhang, und hier auf dem goldenen Tische liegen die
mannigfachen rohen Stoffe zur Verarbeitung schon bereitet! [JJ.01_002,14]
Ihr sehet, daß solche Arbeit not tut; daher loset mir sogleich, auf
daß es sich herausstelle, diewelche aus euch da spinnen solle den
Goldfaden und den Amiant- und den Baumwollfaden, [JJ.01_002,15] den
Seidenfaden, dann den hyazinthfarbigen, den Scharlach und den echten
Purpur! [JJ.01_002,16] Und die Jungfrauen losten schüchtern, da
der Hohepriester über sie betete; und da sie gelost hatten nach der
vorgezeichneten Ordnung, hatte es sich herausgestellt, wie die Arbeit verteilt
werden sollte. [JJ.01_002,17] Und es fiel der Jungfrau Maria, der Tochter
Annas und Joakims, durchs Los zu der Scharlach und der echte Purpur.
[JJ.01_002,18] Die Jungfrau aber dankte Gott für solche gnädige
Zuerkennung und Zuteilung solch rühmlichster Arbeit zu Seiner Ehre, nahm
die Arbeit und begab sich damit, von Joseph geleitet, wieder nach Hause.
[JJ.01_002,19] Daheim angelangt machte sich Maria sogleich an die Arbeit
freudigen Mutes; Joseph empfahl ihr allen Fleiß, segnete sie und begab
sich dann sogleich wieder an seinen Hausbau. [JJ.01_002,20] Es begab sich
aber dieses zur selbigen Zeit, als der Zacharias, da er im Tempel das
Rauchopfer verrichtete, zufolge seines kleinen Unglaubens ist stumm geworden,
darum für ihn ein Stellvertreter ward erwählt worden, unter dem diese
Arbeit ist verloset worden. [JJ.01_002,21] Maria aber war verwandt sowohl
mit Zacharias wie mit dessen Stellvertreter, darum sie denn auch ums Doppelte
ihren Fleiß vermehrte, um ja recht bald, ja womöglich als erste mit
ihrer Arbeit fertig zu werden. [JJ.01_002,22] Aber sie verdoppelte ihren
Fleiß nicht etwa aus Ruhmlust, sondern nur um nach ihrer Meinung Gott dem
Herrn eine recht große Freude dadurch zu bereiten, so sie
baldmöglichst und bestmöglichst ihre Arbeit zu Ende
brächte.
Vorige Seite |
Nächste
Seite
Zurück zur
Bibliographie
Lorber-Verlag, Hindenburgstraße 5, D-74321
Bietigheim-Bissingen,
info@lorber-verlag.de
|