|
Jenseits
der Schwelle Sterbeszenen, Leseprobe, Seite 3
Das
Wiedersehen im großen Jenseits.
31.
Mai 1852
[JS.01_52.05.31,01] Bei gar sehr vielen Menschen, die sonst
Kopf und Herz am rechten Flecke haben, besteht, so sie eben nicht gar so
glaubensstark sind, noch gleichfort die verhängnisvolle Frage: ob es nach
diesem kurzen irdischen Leben noch ein und wie gestaltetes Leben
gibt, und ob der Mensch sich als das, was er hier war, erkennen wird? Ferner,
ob ihm das hiesige Bewußtsein und die volle Rückerinnerung an all
seine irdischen Zustände bleiben oder ob das Bewußtsein samt der
Rückerinnerung vielmehr dem im Traume gleichen wird, wo der träumende
Mensch sich wohl als derselbe, wie und was er im wachen Erdenleben ist, erkennt
und sich seiner Subjektivität, nur unter immer ganz neuen
Lebensverhältnissen, klar bewußt ist, wo aber alle objektiven
diesseitigen Lebensverhältnisse bis auf weniges tief im Gemüt
Haftendes wie etwa die nächsten Verwandten und sehr oft gesehene,
lebhaft besprochene und als heimatlich bewohnte Orte, und selbst diese nahe
allzeit unter fremden Verhältnissen und Gestaltungen nahe alles
Dasein verlieren. Und gibt es dort im großen Jenseits unter solchen etwa
einem hellen Traume sehr ähnlichen geistigen Lebensverhältnissen ein
sich gegenseitig wohl erkennendes Wiedersehen? [JS.01_52.05.31,02] Und Ich,
der Herr, sage und antworte auf diese umfassende Frage mit: Ja, so und so! Je
nachdem der Mensch dies irdische Probeleben mehr oder weniger vollkommen nach
Meiner allen Menschen geoffenbarten Ordnung durchlebt hat.
[JS.01_52.05.31,03] Wer es hier schon, was jedem leicht möglich ist,
zur wahren und vollen Wiedergeburt seines Geistes gebracht hat und als ein
Vollwiedergeborener hier also lebt, daß ihm die Geisterwelt mit all ihren
Verhältnissen und auch in ihrer einfließend entsprechenden Wirkung
auf die materielle Welt so wie die materielle Welt völlig klar erschaulich
ist, bei dem kann die Ablegung seines ohnehin keines lebendigen
Bewußtseins und irgendeiner Erinnerung fähigen Leibes unmöglich
irgendeine Veränderung in seinem Denken, Wollen, Erinnern und lebendigsten
subjektiven und objektiven Bewußtsein bewerkstelligen.
[JS.01_52.05.31,04] Denn so das Leben und alle seine Ein- und Auswirkungen
schon diesseits ganz in den ewig gleichfort im höchsten und reinsten
Selbstbewußtsein sich befindenden Geist übergegangen ist, der
über alle Materie ewig erhaben ist und diese nur als ein auf eine
bestimmte Zeit fixierter Gedanke oder als festgehaltene Idee in ein wie nach
außen hin erscheinliches Sein tritt, so meine Ich, dürfte es wohl
für jeden nur etwas heller Denkenden mit Händen zu greifen sein
zumal ihm dafür noch tausend Beweise aus dem Leben der Somnambulen
und vieler Seher und Propheten zur Einsicht zu Gebote stehen , daß
das rein geistige Leben jenseits ein viel helleres, sich seiner selbst und
aller andern subjektiven und objektiven Vorgänge, Zustände und
Verhältnisse des Lebens ein um ebensoviel reiner bewußteres sein
muß, als um wie viel der Geist über alle Materie die, wie
gezeigt, nichts als ein fixierter Ausdruck seiner Gedanken und Ideen ist
für ewig steht als selbst Licht, Leben, Kraft und vollstes
Bewußtsein in sich. [JS.01_52.05.31,05] Weil aber nicht nur ein,
sondern alle nach Meiner Ordnung lebenden Menschen in ein gleiches
allervollkommenstes Leben übergehen, so ist die Frage ob des einstigen
Wiedersehens eine eitle. Denn so die Menschen in diesem unvollkommenen
Puppenleben schon die Fähigkeit des sich Wiedererkennens und
natürlichen Wiedersehens besitzen, die sie doch nicht abstreiten oder
bezweifeln können, so werden sie diese Fähigkeit wohl um so mehr im
vollkommensten, rein geistigen Leben besitzen, wo ihr ganzes Wesen der
unvergängliche Ausdruck und das Grundprinzip alles Lebens und aller
Verhältnisse und Vorkommnisse desselben ist! Auf dieser Welt erkennt ja
auch durch den Leib hindurch die Seele durch den Geist in ihr die ihr bekannten
und verwandten Menschen, kann sich andern befreundet und vollends verwandt
machen und erkennt sie dann als solche der Gestalt und dem Charakter nach
allzeit wieder. So aber solches die Seele und der Geist vermag durch all die
tausend Kerkerwände des in sich selbst toten Leibes, um wieviel mehr wird
sie solches in ihrem völlig freien Zustande vermögen, wie solches
schon an sehr vielen Somnambulen nur zu oft beobachtet worden ist, die mit
festverschlossenen Augen nicht nur ihre Umgebung oft bis auf den innersten
Lebensgrund, sondern auch die in fernen Landen sich irgendwo befindenden
Menschen, um die sie befragt wurden, mit allen ihren Zuständen und
Verhältnissen geschwind und überaus wohl erkannten! Und doch ist die
Seele einer noch so hellen Somnambule noch bei weitem nicht in dem freien
Zustande, wie eine sogar noch mehr unvollkommene Seele nach dem Abfalle ihres
Leibes! [JS.01_52.05.31,06] Daß unvollkommene Seelen sich nach ihrem
Freiwerden vom Leibe nur zu bald mehr und mehr verfinstern, das liegt in ihrem
bösen Willen. Solche Seelen sehen dann freilich von der Welt nichts mehr,
was sehr notwendig ist, da sie in einem sehenden Zustande der Welt und
namentlich denen, die sie zu ihren Feinden rechneten, einen zu bedeutenden
Schaden zufügen würden. Solche Seelen und respektive Geister sehen
dann nur das, was sich aus ihrer Phantasie gleich einer niedersten Traumwelt
entwickelt. In solcher Phantasiewelt verharren solche Seelen dann oft Hunderte
von Jahren, sehen die stets neu ankommenden Seelen, wenn sie auch auf der Erde
ihre nächsten Verwandten waren und diese sie sogleich ersehen, nicht. Sie
sehen nur ihre lang andauernde Phantasiewelt und sind daher nur den Engeln
durch pure Entsprechungen, die die Engel in die Phantasiewelt solcher blinden
Seelen hineinzuschieben imstande sind, zur Belehrung zugänglich.
[JS.01_52.05.31,07] Wenn sie Belehrung und dadurch eine Besserung ihres
Willens annehmen, so verschwindet nach und nach ihre Phantasiewelt, und sie
kommen dann stets mehr und mehr zum wahren Licht und zur Anschauung all des
Daseienden und somit zum Wiedersehen ihrer Verwandten und Freunde. Sie erkennen
sie dann als solche auch gar bald wieder und haben eine rechte Freude an
ihnen.
...
Vorige
Seite
Zurück zur
Bibliographie
Lorber-Verlag, Hindenburgstraße 5, D-74321
Bietigheim-Bissingen,
info@lorber-verlag.de
|