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Jakob
Lorber
Jenseits
der Schwelle
Sterbeszenen
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Durch
das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber. Nach der 8. Auflage 1996.
Lorber-Verlag Hindenburgstraße 5 D-74321
Bietigheim-Bissingen. Alle Rechte vorbehalten. Copyright © 2000 by
Lorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen.
Einleitung.
27.
Juli 1847
[JS.01_47.07.27,01] Der Bruder A. H. W. möchte
wissen, wie sich der Übertritt aus dem materiellen ins geistige oder
sogenannte jenseitige Leben gestaltet, besonders bei den weltlich Großen.
[JS.01_47.07.27,02] Dieser Übertritt ist sehr leicht und ganz
natürlich zu beschreiben. [JS.01_47.07.27,03] Siehe, welchen
Unterschied macht wohl das Wasser, so entweder ein großer oder ein armer,
unbeachteter Mensch hineinfällt? Höre, beide ertrinken auf die ganz
gleiche Weise! Oder welchen Unterschied macht das Feuer? Höre, es verzehrt
den Kaiser so gut wie den Bettler! [JS.01_47.07.27,04] Wenn ein Bettler und
ein Minister oder Kaiser von einem Turme fielen zur selben Zeit, so wird der
eine so gut wie der andere seinen Tod finden durch den jähen Fall.
[JS.01_47.07.27,05] Welchen Unterschied wohl macht das Grab zwischen
groß und klein, zwischen reich und arm, zwischen schön und
häßlich oder jung und alt? Siehe, gar keinen! Alles verwest und wird
zum Unflate der Würmer und endlich zum nichtigsten Staub.
[JS.01_47.07.27,06] Wie es aber dem Leib im Reiche der sogenannten
Naturkräfte ergeht, ebenso ergeht es auch der Seele im Reiche der Geister.
Ob sie auf der Welt Bettler oder Kaiser war, das ist im Geisterreich vollkommen
gleich. Da wird niemandem eine sogenannte Extrawurst gebraten, auf daß
niemandes Eigendünkel genährt werde und der Große nicht mehr
von seiner Größe und der Arme nicht mehr von dem Anspruch aufs
Himmelreich da er auf der Welt viel Not gelitten und der Fromme
nicht mehr von seinem Verdienst ums Himmelreich geblendet werde.
Wie aber schon öfter gesagt, drüben wohlverstanden!
drüben gilt nichts als nur die reine Liebe. [JS.01_47.07.27,07] Alles
andere aber ist wie ins Meer geworfene Steine, wo der Diamant gleich dem
gemeinsten Sandstein in den ewigen, stinkenden Schlamm versinkt. In sich
bleiben sie zwar wohl, was sie sind und was sie waren außerhalb des
Meeres, aber das Los beider ist gleich, höchstens mit dem
Unterschied, daß der Sandstein eher aufgelöst wird als der Diamant.
[JS.01_47.07.27,08] Also ist es jenseits auch mit dem diesweltlichen Adel
oder mit der diesweltlichen Geringheit. Diese werden sich im Meeresschlamme der
unerbittlichen Ewigkeit wohl in ihrer Einbildung noch lange als das
dünken, was sie auf der Welt waren. Der Kaiser wird dort sich noch als
Kaiser dünken und der Bettler mit dem Anspruch auf Vergeltung
als Bettler. Aber dessenungeachtet werden in der großen
Wirklichkeit dennoch beide miteinander im Meeresschlamme der Ewigkeit ein
gleiches Los teilen. Nur dürfte der Arme eher in die Gärung kommen
und sein Wesen daher auch eher von den wahren, innersten
Demutsbläschen angefüllt werden, die ihn dann aus dem Schlamme ziehen
und hinauftragen zum ewigen Licht und Leben als der Kaiser oder ein
sonstiger Weltgroßer. [JS.01_47.07.27,09] Nach diesem Muster oder
nach dieser Kardinalregel könnt ihr den Hintritt eines jeden Menschen
genau beurteilen. Haltet euch daher an die Liebe, auf daß ihr dereinst
nicht des allgemeinen Loses teilhaftig werdet! Amen. Amen. Amen.
Erste
Szene: Ein Berühmter.
28.
Juli 1847
[JS.01_001,01] Gehen wir an das Krankenlager eines
großen, äußerst berühmten Mannes der Welt und zwar
einige Stunden vor dem Hintritt in die Ewigkeit und betrachten da sein
Benehmen diesseits und seinen Eintritt ins Jenseits und wie sich da die zwei
Welten begegnen und ineinander übergehen mit einem Blick, und es wird sich
euch sogleich sonnenhell zeigen, wie so ganz und gar voll Wahrheit die
vorhergehende Kardinalregel diese Sache darstellt. [JS.01_001,02] Seht,
dieses Menschen Taten und Handlungen in der Welt waren von solcher Art und
wurden auf einem solchen Boden ausgeführt von dem zumeist das
resonierende Echo die ganze Erde durchschwirrt wie ein zischender Meteor
, daß sie aller Menschen Augen auf sich zogen und wegen des starken
Bodenwiderhalls an allen Punkten der Erde vernommen und weidlichst pro und
kontra besprochen und beschrieben wurden, und zwar auf so viel Papier,
daß man damit ganz Europa überziehen könnte. Und nun liegt
dieser große Mann, dieser Philanthrop, dieser hitzige Scheinverfechter
politischer und kirchlicher Interessen seiner Nation hingestreckt auf seinem
Lager voll Verzweiflung und Furcht ob der herbeigekommenen letzten Stunde, der
zu entgehen sich für ihn auch nicht die leiseste Hoffnung mehr
herausstellt. [JS.01_001,03] In einer Art dumpfer, schmerzlichster
Verwirrung sieht er als heimlicher Atheist bald die ewige
Vernichtung seines Daseins, bald fühlt er wieder vermeintliche Schmerzen
der Verwesung, darum er sich auch die Einbalsamierung testamentarisch bedingt,
und daß er im Grabe nimmer erwache, müssen Herz und
Eingeweide von seinem Leibe getrennt werden, und damit diesen getrennten Teilen
die Zeit nicht zu entsetzlich lang werde, müssen sie an solchen Orten
beigesetzt werden, die nicht gar zu selten von Menschen besucht
werden.
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