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Von
der Hölle bis zum Himmel, Leseprobe, Seite 3
[RB.01_014,09]
Rede Ich (Jesus), Robert die Hand reichend: Sei Mir vielmals
gegrüßt, Mein lieber, teurer Leidensgefährte! Ich sage dir, sei
froh, daß du Mich gefunden hast und kümmere dich ums Weitere gar
nicht. Es ist genug, daß du Mich liebst und nach deinen Erkenntnissen
für den edelsten und weisesten Menschen hältst. Alles andere lasse
von nun an ganz Mir über. Ich gebe dir die heiligste Versicherung,
daß am Ende alles, mögen uns was immer für Begebnisse noch
entgegenkommen, gewiß überaus gut ausgehen wird. Denn Ich habe hier
in dieser Einsamkeit alles durchdacht und kann dir mit größter
Bestimmtheit sagen, daß Ich im Gebrauch der dir am schwächsten
vorkommenden Willensmacht es so weit gebracht habe, daß Ich, so Ich es
will, alles ins Werk setzen kann, was Ich nur immer Mir denke und vorstelle.
Daß Ich aber dir hier so verlassen und einsam vorkomme, davon liegt der
Grund bloß in deiner für diese Welt noch unvollkommenen Sehe. Wird
diese mehr und mehr gestärkt durch deine Liebe zu Mir, so wirst du auch
bald einsehen, wie weit Meine Willenskraft zu reichen imstande ist.
[RB.01_014,10] Aber abgesehen von all dem, was du zu Mir gesprochen hast
und Ich nun zu dir geredet habe, richte Ich erst eine bedeutungsvolle Frage an
dein Gemüt, die du Mir ohne Rückhalt getreu zu beantworten hast, und
zwar gerade so, wie es dir ums Herz ist. [RB.01_014,11] Diese Frage aber
lautet: Siehe, liebster Freund und Bruder, du hast auf der Erde einen redlichen
Sinn gehabt, nämlich deine Brüder von dem übermäßigen
Druck ihrer harten und herzlosen Regenten zu befreien. Obschon du dazu eben
nicht die tauglichsten Mittel erwählt hast, sehe Ich da allein auf den
Zweck und weniger aufs Mittel. Wenn dieses nur kein grausames genannt werden
kann, dann ist es vor Mir auch schon recht und billig. Aber so viel Mir
bekannt, bist du auf halbem Wege zur Verwirklichung deines guten Zweckes von
deinen Feinden ergriffen und bald darauf hingerichtet worden. Daß dich
dieses traurige Begebnis bis in dein Innerstes zornsprühend muß
ergriffen und mit einer billigen Rachegier dein Herz erfüllt haben, finde
Ich so natürlich, daß sich darob gar nichts einwenden
läßt! Wenn du aber nun jenen österreichischen Feldherrn, der
dich selbst zum Tod verurteilte, unter deine nun schon mächtig gewordenen
Hände bekämst und nebst ihm auch alle seine Helfershelfer: sage Mir
ganz getreu, was wohl würdest du mit ihnen tun?
15.
Kapitel Gute Antwort Roberts. Fromme Wünsche.
[RB.01_015,01]
Spricht Robert: Edelster Freund! Daß ich im Augenblick, als dieser
aller Menschenliebe ledige Wüterich mich dem abgefeimtesten Verbrecher
gleich behandelte, in größte Zorn- und Rachewut geriet das,
glaube ich, muß ein jeder billig denkende Geist gerecht finden. Aber nun
ist bei mir Verzeihung schon lange eingetreten. Ich wünsche daher für
diesen Blinden wahrlich nichts anderes, als daß er sehend würde und
erkennen möchte, ob er an mir recht oder unrecht gehandelt hat.
[RB.01_015,02] Hätte er mich wahrhaft totmachen können, dann
hätte ich wohl ohnehin nie auf Rache sinnen können. Da er mich aber
eigentlich buchstäblich lebendiggeschossen hat und mir weiter wohl kein
Leid mehr tun kann, und ich eigentlich nun schon um vieles glücklicher bin
als er in all seinem herrschsüchtigen Wahne, so kann ich ihm um so
leichter alles vergeben. Auch hatte er eigentlich dem Äußeren nach
bei weitem mehr Grund, mich als ein ihm gefährlichst vorkommendes Objekt
aus dem Wege zu räumen, als einst zu deiner Zeit die überargen
Hohenpriester Jerusalems Grund hatten, dich, meinen liebenswertesten Freund,
schändlichst und über alle Maßen grausam aus der Welt zu
schaffen! [RB.01_015,03] Konntest du, mein edelster Freund, sogar mit
voller Empfindung aller Marterschmerzen deinen Peinigern vergeben, um wieviel
mehr ich, der ich doch im Grunde nichts empfunden habe, das ich als einen
wirklichen Marterschmerz bezeichnen könnte. [RB.01_015,04] Daher
könnte mein irdischer Großfeind nun auch vor mir erscheinen, und ich
würde zu ihm nichts sagen, als was du bei deiner Gefangennahme im Garten
Gethsemane zu Petrus sagtest, als er dem Knechte Malchus ein Ohr abhieb.
[RB.01_015,05] Wenn es im ewig unermeßlichen Raume ein allgerechtes
Gottwesen gibt, so wird dieses ihn schon ohnehin den Lohn finden lassen, den er
um mich und noch um viele andere verdient hat. Sollte es aber, was ich nun kaum
mehr glaube, kein solches Gottwesen geben, so wird ihn die spätere
Geschichte richten, ohne daß ich es nur im geringsten zu wünschen
brauche. [RB.01_015,06] Wenn ich dir aber einen kleinen Wunsch meines
Herzens vortragen darf und es in deiner Macht steht, ihn zu verwirklichen, so
empfehle ich dir zuerst meine arme Familie, d.i. mein liebes Weib und meine
vier Kinder! Dann aber alle guten Menschen, die eines redlichen Herzens und
Sinnes sind! Die reinen Selbstsüchtler aber, die alles getan haben, um
für sich und ihre Nachkommen auf Unkosten der gesamten andern Menschheit
im vorhinein zu sorgen, lasse dahin gelangen, daß sie auch noch auf der
Erde schmecken, wie es denen geht, die von solchen Reichen abhängend von
heute auf morgen leben müssen! Doch sei auch das durchaus als kein
Begehren betrachtet, denn ich für mich finde an dir für alles auf
Erden Erlittene und Verlorene die hinlänglichste Entschädigung!
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