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Die
Haushaltung Gottes, Bd. 3, Leseprobe, Seite 6
56.
Kapitel Lamechs irrtümliche Auffassung vom Herzen über dem
Tempel und seine Belehrung durch den Herrn. Wie und wo man Gott suchen
soll.
[HGt.03_056,01]
Nach diesen Worten des weisen Mannes dachte der Lamech aber darüber nach,
wie er es denn anstellen müsse, um zu bekommen das Herz aus der Höhe
auf den niederen Altar herab. [HGt.03_056,02] Denn er verstand noch nicht
die Worte des Weisen und meinte bei sich im Ernste, er werde am Ende aufs Dach
steigen müssen, um vom selben allenfalls zu langen nach dem Herzen mit der
Hand oder wohl gar, falls die Hand zu kurz sein sollte, mit einem auf einer
verhältnismäßig langen Stange angebrachten Haken und es dann
herabzuziehen, wie allenfalls einen Apfel vom Baume. [HGt.03_056,03] Da
aber der Weise solche Gedanken gar wohl merkte im Lamech, da sagte Er zu ihm:
Aber höre, du Lamech, der du so ganz erschöpft warst von Meiner
Weisheit, und hast in Meinen Mund sogar Gottes Zunge gelegt, und das eben nicht
mit Unrecht, sage Mir nun, wie es doch kommen mag, daß du Meiner Worte
Weisheit gar so ärglich aufgefaßt haben konntest!
[HGt.03_056,04] Denn fürwahr, dümmer und materieller könnte
das Geistige wohl kaum je aufgefaßt worden sein! [HGt.03_056,05]
Meinst du denn, das strahlende Herz über dem Tempel ist im Ernste etwa
dein fleischlich Herz? [HGt.03_056,06] O siehe, das fleischliche Herz in
deinem Leibe können wir auf dem Altare hier durchaus nicht brauchen, und
es ist dir zum naturmäßigen Leben überaus vonnöten;
sondern nur das Herz deines Geistes, welches da ist die Liebe zu Gott in dir,
können wir hier auf dem Altare brauchen! [HGt.03_056,07] Dieses Herz
aber läßt sich weder mit der fleischlichen Hand noch mit einer
behakten Stange herabziehen, sondern allein nur mit der eigenen Kraft der
Liebe, welche in ihr ist. [HGt.03_056,08] Es ist aber das strahlende Herz
über dem Tempel ja ohnehin nur eine Erscheinlichkeit, die bloß nur
von der Sehe des Geistes erschaut werden kann, und besagt nichts anderes, als
daß du einen endlos weit entfernten Gott liebst und Ihn suchst hinter
allen Sternen; aber den dir allzeit nahen Gott magst du nicht erkennen und
lieben! [HGt.03_056,09] Es strahlt zwar dein Herz wohl von der reinen,
stark entflammten Liebe zu Gott; aber du kannst aus solcher Liebe wenig oder
gar keinen andern lebendigen Nutzen ziehen als höchstens, daß du in
dessen gebrochenem Lichte in der sonstigen Nacht etwas besser siehst als
sonsten in der gänzlichen Finsternis. Das ist aber dann schon auch alles,
was du gewinnst. [HGt.03_056,10] Es ist aber ja nur das Leben die
Hauptsache, welches da ewig dauern soll, nicht aber das alleinige Licht des
zeitlichen Lebens, welches Licht da mit seinem Leben vergeht.
[HGt.03_056,11] Darum muß das Herz des Geistes, oder deine Liebe zu
Gott, dir am allernächsten stehen, das heißt, sie muß in dir
sein. Du mußt Gott in dir suchen, erkennen und dann über alles
lieben, so wirst du das ewige Leben haben; denn siehe, Gott allein ist ja das
Leben und hat es also und gibt eben das Leben! [HGt.03_056,12] Wenn aber
solches doch eine ewige Wahrheit ist, da sage mir dann, was dir ein endlos weit
entfernter Gott oder ein endlos weit entferntes Leben nützen kann!
[HGt.03_056,13] Du mußt das ewige Leben, welches da ist die ewige
Liebe Gottes, ja nur in dir haben, so du leben willst, aber nicht hinter allen
Sternen! [HGt.03_056,14] Dabei ist aber noch gar wohl zu bemerken,
daß dir der unendliche Gott nicht nützen kann, da du als ein
endliches Wesen das eigentliche unendliche Wesen, Gott, durchaus ewig nie zu
erfassen vermagst. [HGt.03_056,15] Und darum hat Gott ja das menschliche
Herz gemacht zur Wohnstätte für Sich, damit da niemand außer
oder ohne Gott leben sollte. ... ...
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