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Die
Haushaltung Gottes, Bd. 3, Leseprobe, Seite 4
50.
Kapitel Die Rede des Weisen über den Zweck der Tempelweihe. Die
Einladung des ganzen Volkes.
[HGt.03_050,01]
Als der Lamech aber diese Worte vernommen hatte, da grüßte er
sogleich ehrfurchtsvollst den Redner und begab sich sogleich zum Henoch.
[HGt.03_050,02] Allda angelangt, kündete er ihm alsbald, was er vom
weisen Redner vernommen hatte. [HGt.03_050,03] Die Worte erfreuten aber
alle Gäste des Haupttisches, und der Henoch sagte darauf gar freundlich
zum Lamech: [HGt.03_050,04] Also mache denn, daß wir uns
erheben, damit der Tag nicht ehedem ende, als wir im Namen des Herrn werden den
Tempel der Weisheit eingeweiht haben! [HGt.03_050,05] Und der Lamech
verkündete solches sogleich vom bestiegenen Throne, und alles Volk erhob
sich. [HGt.03_050,06] Es machte aber das Tafelvolk auch Miene zum Mitgehen,
welche Miene den Lamech etwas verlegen machte; aber der weise Redner ging hin
zum Lamech und sagte zu ihm: [HGt.03_050,07] Kümmert dich denn
dessen, so die Kinder auch den Weg der Weisheit wandeln wollen? Ich aber meine,
wir sollen es niemandem verwehren, der uns auf dem Wege der Gerechtigkeit
Gottes folgen will. [HGt.03_050,08] Denn was die bevorstehende Tempelweihe
nur bildlich darstellt, das soll lebendig zuvor von uns und vom Volke lebendig
im Geiste geschehen. [HGt.03_050,09] Bevor der tote Tempel eingeweiht wird
von dir, da sollen ehedem die vielen Tempel des Geistes Gottes in unseren
Brüdern und Schwestern, die da sind ihre Herzen, eingeweiht werden! Siehe,
das tut not, und ohne dem ist die Tempelweihe zu nichts nütze!
[HGt.03_050,10] Wenn du aber das Volk daheimlassen möchtest und ohne
es weihen den Tempel, sage Mir, für wen wird dann der Tempel geweiht sein?
[HGt.03_050,11] Willst du als ein Unheiliger vor Gott Ihm, dem
allein Heiligen den Tempel heiligen? [HGt.03_050,12] Das wird wohl
nicht angehen, indem doch nur der Heilige, aber nicht der Unheilige etwas
heiligen kann! [HGt.03_050,13] Gott aber sorgt nur für das Volk, und
nicht für den Tempel, und ließ den Tempel des Volkes wegen von dir
erbauen, aber nicht, daß Er je das Volk erschaffen hätte dieses erst
einzuweihenden Tempels wegen! [HGt.03_050,14] Und so ist bei der
bevorstehenden Handlung ja nur das Volk, aber nicht der Tempel, die Hauptsache
und muß daher notwendig zugegen sein! [HGt.03_050,15] Denn wird das
nicht der Fall sein, so wird der Herr für Sich die lebendigen Tempel im
Volke wohl einweihen; aber dem toten Tempel auf dem Berge wird Er Seine
Heiligung versagen und den Berg wieder machen zu einer Wohnstätte der
Schlangen und Nattern! [HGt.03_050,16] Also lade das Volk dazu und sende
Herolde aus in die ganze Stadt; denn Ich habe es dir ja ehedem gesagt,
daß du dem gestattest mitzugehen, den Ich werde mitnehmen wollen.
[HGt.03_050,17] Siehe, der aber, den Ich mitnehmen will, ist das Volk! Und
sonach kümmere dich nicht mehr; denn die Weisheit des Herrn im Menschen
erkennt allein nur die rechten Wege des Herrn! [HGt.03_050,18] Diese
Worte brachten den Lamech fast um; denn er konnte über die hohe Weisheit
dieses Menschen nicht genug erstaunen. [HGt.03_050,19] Er lief darum auch
alsbald zu seiner Dienerschaft und sprengte sie sozusagen in die ganze
große Stadt aus, das Volk zu laden zur Tempelweihe auf dem Berge.
[HGt.03_050,20] Als er aber wieder ebenfalls sehr schnellen Schrittes in
den großen Saal trat, da ging ihm der Henoch entgegen und sagte zu ihm:
[HGt.03_050,21] Aber Bruder Lamech, warum hast du denn mich nicht um
Rat gefragt, ob du das tun sollst, was dir der weise Redner geraten hat, da ich
doch darum da bin? [HGt.03_050,22] Der Lamech ward darob etwas
verlegen denn er wußte es nicht, daß ihn der Henoch nur
prüfte und sagte darum zum Henoch: Bruder Henoch, ich war zu
überrascht von der großen Weisheit des Mannes und auch
überzeugt von der großen und tiefen Wahrheit, die da lag in seinen
Worten, und konnte daher nicht umhin, zu tun danach! [HGt.03_050,23]
Und der Henoch umarmte den Lamech und sagte dann zu ihm: Du hast
vollkommen recht getan! Laß uns aber daher auch alsbald abziehen, damit
wir vor dem Untergange der Sonne noch begehen die heiligende Handlung; solches
geschehe im Namen des Herrn! Amen. ...
52.
Kapitel Das Volksgedränge auf dem Berg. Lamechs Verlegenheit wegen
des nahe bevorstehenden Sonnenuntergangs. Des weisen Mannes Rat und Rede
über die wahre Tempelweihe.
[HGt.03_052,01]
Als so alles frei und ohne den allergeringsten Zwang auf dem Berge, dessen
Plateau groß genug war, um einige tausend Menschen zu fassen, angelangt
war und natürlich eine große Menschenzahl noch um vieles
eher, ihrer Schaulust und Neugierde zufolge, als der Lamech mit seinem Gefolge
, da war bei seiner Ankunft der große, herrliche Tempel auch also
sehr umlagert, daß es da keine Möglichkeit war, zum Tempel zu
gelangen. [HGt.03_052,02] Den Lamech aber brachte das in eine große
Verlegenheit darum, weil die Sonne ihrem Untergange schon sehr nahe war, und es
ward doch zur Bedingung gesetzt, den Tempel einzuweihen beim Lichte der Sonne.
[HGt.03_052,03] Er wandte sich daher auch alsbald an den Henoch und fragte
ihn: Bruder Henoch, du weisester, alleiniger Hoherpriester des Herrn, was
wird hier zu machen sein? Siehe, die Sonne neigt sich schon ganz gewaltig ihrem
völligen Untergange zu, und es ist also keine Möglichkeit, zum Tempel
zu gelangen! Wie wird es da mit der bedingten Einweihung aussehen, so wir
dieselbe noch vor dem völligen Untergange vornehmen sollten?
[HGt.03_052,04] Der Henoch aber sagte zum Lamech: Bruder, ich meine,
das Hindernis für und vor uns, das uns den Weg zum Tempel abschneidet, ist
mehr wert als der Tempel; denn hier sind tausend lebendige Tempel der Liebe und
Erbarmung aus Gott, dort aber nur ein toter aus Stein! [HGt.03_052,05] Wie
wäre es denn, so wir diese Tempel fürs Leben aus Gott einweihten, da
sie wahrhaftige Tempel sind, und dächten uns dabei: Der tote Tempel wird
also am wirksamsten nämlich durch diese unsere vielen Brüder
und Schwestern und auch auf das doch sicher allergültigste vor Gott
eingeweiht werden! Was meinst du in dieser Hinsicht? [HGt.03_052,06]
Der Lamech stutzte ein wenig und sagte dann zum Henoch: Ja, geliebtester
Bruder, du hast freilich wohl recht, und ich begreife deine große
Weisheit in diesem Punkte! Aber siehe nur den Stand der Sonne an! Wenn ihre
Gegenwart eine Bedingung dieser wie immer gearteten Tempelweihe ist, so werden
wir sie heute doch wohl nicht vornehmen können und werden diese erhabene
Handlung auf den morgigen Tag verschieben müssen! Wird es nicht also
ausfallen müssen? [HGt.03_052,07] Und der Henoch entgegnete dem
Lamech: Bruder, siehe, gerade hinter deinem Rücken steht der weise
Mann! Frage auch Ihn einmal wieder um Rat, was da zu tun sein wird, und ich
selbst werde mich fügen in Seinen Ausspruch! [HGt.03_052,08] Und
der Lamech tat sogleich, was ihm der Henoch geraten hatte. [HGt.03_052,09]
Der weise Mann aber erwiderte darauf dem Lamech: Lieber Freund und
Bruder! Die Weihe, wie sie dir der Henoch angeraten hat, ist die allein rechte
Weihe des Tempels vor Gott; was aber da betrifft die nun bereits untergehende
Sonne, die ihr Licht nur über die tote Materie hin ergießt, so ist
an ihrer Gegenwart eben nicht so viel gelegen, als du glaubest hinsichtlich der
Tempelweihe. [HGt.03_052,10] Denn es gibt noch eine andere, viel wirksamere
Sonne welche da gemeint ward von Mir und vom Henoch als diese
natürliche, und diese steht dir jetzt gerade am Zenit und ist für
jetzt gar ferne noch dem völligen Untergange. [HGt.03_052,11] So aber
diese Sonne am Mittagshimmel deines Geistes leuchtet lebendig, wie sie schon
von Ewigkeiten her geleuchtet hat, da magst du ja allzeit vollgültig vor
Gott und vor allem dem Volke durch eben das Volk nach dem Rate Henochs
den Tempel weihen, und wäre es der äußeren Zeit nach auch um
die Mitte der Nacht. [HGt.03_052,12] Denn siehe, Gott zählt nicht die
Tage und die Jahre der Welt denn tausend Jahre sind vor Ihm wie ein
einziger Tag ; aber die Gedanken deines Herzens zählt Er, und da hat
ein liebeguter mehr Wert vor Ihm als tausendmal tausend Jahre und Tage der
Welt! [HGt.03_052,13] Also achte du nicht der äußeren Zeit, die
da unabänderlich gerichtet ist für den gerechten Bedarf der
Lebendigen auf der Erde, sondern achte das lebendige Herz des Menschen, welches
da ist ein wahrer Tempel des Lebens aus Gott. [HGt.03_052,14] Laß
deine Sonne auch vor dem Herzen deiner Brüder und Schwestern leuchten, und
du wirst dadurch auch allzeit Gott wohlgefällig sogar in der dichtesten
Nacht der Erde am hellsten Tage in dir wandeln und handeln! [HGt.03_052,15]
Siehe, die Sonne, die nun schon untergegangen ist, ist auch eine gar
große Welt, und die auf ihr wandeln, haben einen ewigen Tag; wenn du aber
im Lichte deiner Geistessonne wandelst, so wirst du gleicherweise nie eine
Nacht in dir gewahren, sondern wirst wandeln im ewigen Tage deines Lebens aus
Gott! [HGt.03_052,16] Also aber auch weihe diesen Tempel in den Herzen
dieses Volkes, und deine Weihe wird gerecht sein vor Gott! [HGt.03_052,17]
Segne sie als Brüder und Schwestern, und Gott wird in deinem Angesichte
Selbst segnen den Tempel, der da erbaut wurde durch die Hände der
Menschen! Siehe, also stehen die Dinge, und also handle denn nun auch!
Amen. ...
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