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Die
Haushaltung Gottes, Bd. 3, Leseprobe, Seite 2
42.
Kapitel Die Aufstellung des zweiten Tisches im Thronsaal. Das
Festmahl. Die Tischrede des Unbekannten am zweiten Tisch.
[HGt.03_042,01]
Die Zahl der geladenen Gäste war groß und konnte daher an dem einen
großen Tische nicht untergebracht werden; daher kam der Lamech zum Henoch
wieder und fragte ihn: [HGt.03_042,02] Höre, geliebtester,
erhabenster Bruder und des Herrn alleiniger Hoherpriester, mehr denn die
Hälfte der geladenen Gäste haben, wie du es selbst sehen kannst,
nicht Platz am vereinten Tische! Wenn wir sie nun darum sondern müssen und
für sie bereiten lassen einen zweiten Tisch, werden sie sich dadurch nicht
herabgesetzt finden, so wir sie doch notwendig werden an den zweiten Tisch
setzen lassen müssen und sie somit nicht an dem Tische werden Platz nehmen
können, an dem wir sitzen werden und du dich eigentlich schon gesetzt
hast? [HGt.03_042,03] Und der Henoch lächelte den Lamech an und
sagte dann zu ihm: Siehe, lieber Bruder, Notwendigkeit ist keine
Herabsetzung! ... [HGt.03_042,08] Nachdem sich aber alle gesättigt
hatten, richtete sich am zweiterrichteten Tische einer der geladenen Gäste
auf und richtete folgende Worte an seine Tischgenossen: [HGt.03_042,09]
Brüder, Freunde und Schwestern! Welcher Mensch könnte es wohl
in der größten Glut und Flamme seines Herzens wagen, zu sagen, er
könnte Gott, dem allmächtigen Herrn Himmels und der Erde, danken zur
Genüge je in alle Ewigkeit für solch eine unaussprechlich große
Gnade, die Er uns dadurch erwiesen hat, daß Er den vorher so harten
König Lamech in einen so herrlichen Bruder und übergroßen
Freund der Menschen umgewandelt hat? Fürwahr, Ich kann mir nichts
Größeres denken! [HGt.03_042,10] Es muß dem
allmächtigen Herrn wohl ein leichtes sein, tausend Welten zu erschaffen;
aber einen freien Menschengeist ungerichtet also umzuwandeln, wie da der Lamech
und durch ihn auch all sein Anhang umgewandelt ward, das ist denn doch mehr,
als Sonnen und Erden und Monde zu gestalten im Augenblicke des
allmächtigen, göttlichen Wollens! [HGt.03_042,11] Denn bei der
Erschaffung der Dinge kommt es sicher nur auf den Willen Gottes an, und es wird
dasein, was Gott haben will! Ein von Ihm ausgesprochenes allmächtiges
,Werde! genügt, und zahllose Sonnen und Welten drehen sich schon in
ihren übergroßen Kreisen vor dem Auge des allmächtigen
Werkmeisters! [HGt.03_042,12] Aber beim freien Geiste ist das
allmächtige ,Werde! ein Gericht schon, welches ist des Geistes Tod!
Da muß an die Stelle der Allmacht denn nur die große Liebe,
Erbarmung, Geduld, Sanftmut und endlos weiseste Führung Gottes treten und
muß den Geist des Menschen wie einen zweiten Gott leiten, führen und
lehren, damit dieser dann durch die Selbsterkenntnis in sich das werde, was er
sein soll nach der göttlichen Ordnung. Und das ist mehr, als Welten und
Sonnen erschaffen! [HGt.03_042,13] Oh, darum soll aber auch der Herr von
uns allen gelobt und geliebt sein, wie da bis jetzt Er noch nicht ist geliebt
und gelobt worden; denn jetzt erst erkennen wir die Größe Gottes!
[HGt.03_042,14] Auf, Brüder, und lasset uns loben und preisen den
Herrn, da Er uns eine so große Gnade erwies! [HGt.03_042,15]
Diese Rede des Gastes machte alles im Saale stutzen, und alles ward ergriffen
von der Kraft dieser Worte.
43.
Kapitel König Lamechs Staunen über die Worte des unbekannten
Gastes. Die Rede des Unbekannten über die zweifache Nahrung des zweifachen
Menschen.
[HGt.03_043,01]
Der Lamech aber wußte nicht, was er in der Schnelligkeit tun sollte. Er
wandte sich darum alsobald an den Henoch und sagte zu ihm: Höre, du
mein geliebtester, erhabener Freund und Bruder in aller Liebe des Herrn, dieser
Mensch spricht ja, als wenn er auch zu einem Führer vom Herrn aus
erwählt wäre! [HGt.03_043,02] Fürwahr, solche Worte
hätten auch deinem Munde durchaus keine Schande gemacht, und ich selbst
würde mich für endlos glücklich preisen, wenn mein Mund
ähnlichermaßen einer solchen Rede fähig wäre; aber da
hat's eben bei mir noch einen überaus starken Haken! [HGt.03_043,03]
Sage mir doch, du mein geliebtester Henoch, so es dir gut deucht: Sollen wir
diesen überaus weisen Redner nicht alsobald an unsern Tisch ziehen?!
[HGt.03_043,04] Und der Henoch erwiderte dem Lamech: Wenn aber du,
mein geliebter Bruder, solches tust, wirst du dadurch nicht diesem Tische mehr
Ehre einräumen, als sie da hat der andere Tisch?! [HGt.03_043,05]
Darum meine ich, es ist genug, so wir Seine Worte wohl behorchen und ihren
guten Sinn in uns behalten! [HGt.03_043,06] So du dieses ein wenig
überdenkst, da sage mir dann, ob du damit nicht auch einverstanden bist;
denn hier bist du zu Hause und sollst doch auch einen freien Willensrat haben
in dir und danach handeln! [HGt.03_043,07] Hier sann der Lamech ein
wenig nach und kam bald mit folgenden Worten heraus, welche also lauteten:
O liebster, herrlicher Bruder Henoch, was soll ich da noch nach meinem
Willensrat handeln, wo ich auf den ersten Augenblick ersehe, wie aus deinen
Worten eine nur zu sehr leuchtende Weisheit strahlt?! [HGt.03_043,08] Daher
will ich mir den Redner bloß nur recht gut merken und will ihn erst nach
der aufgehobenen Mahlzeit an mich ziehen und mich mit ihm in eine nähere
Bekanntschaft setzen! Ich meine, das wird doch wohl nicht gefehlt sein?
[HGt.03_043,09] Und der Henoch sprach zum Lamech: Geliebtester
Bruder, tue das, was du dir vorgenommen hast, und es wird recht und billig sein
vor Gott und aller Welt! [HGt.03_043,10] Nach dieser Rede Henochs
erhob sich wieder der Gast am andern Tische und fing an, also zu sprechen, und
seine Worte lauteten: [HGt.03_043,11] Freunde, Brüder und
Schwestern! Wir haben uns alle bestens gestärkt an dieser guten Mahlzeit.
Unsere Glieder zucken darob vor freudigem Wohlgefühle, und unsere Seele
hat nun eine leichte Mühe, dem Leibe eine wohlgeschmeidige Regsamkeit zu
geben. Dafür sei dem erhabensten, heiligen Geber aller guten Gaben aller
Dank auch und alle unsere Liebe allzeit und ewig! [HGt.03_043,12] Aber es
ist der Leib nicht die Hauptsache des Menschen, sondern nur ein werkzeugliches
Mittel zur Erreichung des ewigen, heiligen Zweckes, welcher da steht im Grunde
der ewigen, göttlichen Ordnung. [HGt.03_043,13] Wenn es sich aber mit
unserem Leibe notwendig doch also nur und unmöglich anders verhält,
so ist es ja doch sonnenklar, daß dann im Menschen ganz etwas anderes,
also noch ein ganz anderer, höherer Mensch stecken muß, um
dessentwillen so ganz eigentlich der Leib, den wir alle jetzt so recht
tüchtig abgefüttert haben, da ist, und um dessen vorteilhafteste
Ernährung wir demnach denn auch allzeit am allermächtigsten besorgt
sein sollten. [HGt.03_043,14] Ihr saget nun sicher unter euch so in euren
Herzen: ,Das wäre freilich wohl sehr gut und nützlich; wenn man aber
nur auch sogleich wüßte, womit man so ganz eigentlich den innern
Menschen ernähren sollte! [HGt.03_043,15] Wir sehen wohl auf der Erde
allerlei Früchte für den Leib erwachsen und reifen; aber einen Baum,
auf dem da Früchte zur dienlichen Ernährung des innern Menschen
wachsen und reifen möchten, vermögen wir nicht ausfindig zu
machen! [HGt.03_043,16] Das ist richtig, Meine geliebten Freunde,
Brüder und Schwestern; aber Ich will euch hier etwas anderes sagen, und so
höret denn: [HGt.03_043,17] Sehet, der Herr hat alles also geordnet,
daß da die Materie sich ernährt aus der Materie, die Seele aus der
Seele, die Liebe aus der Liebe und der Geist aus dem Geiste!
[HGt.03_043,18] Die Liebe aber ist des Geistes Grund und des inneren
Menschen allereigentlichstes Wesen, und wir können demnach unserem inneren
Menschen keine bessere Nahrung verschaffen, als wenn wir ihn sättigen mit
der Liebe zu Gott. Durch diese Liebe wird er kräftig und mächtig und
wird ein Herr in diesem seinem Hause werden, welches da ist die unsterbliche
Seele und der sterbliche Leib. [HGt.03_043,19] Es müssen aber die
Speisen für den Leib entweder schon von der Natur oder durch die Kochkunst
der Menschen vorbereitet werden, auf daß sie genießbar sind; so
denn muß auch um so mehr die Kost für den Geist bestens vorbereitet
sein! [HGt.03_043,20] Das Wort in uns aber ist diese Vorbereitung der Kost
des Geistes; darum wollen wir denn auch mit dem Worte die Kost vorbereiten und
dann erst stärken mit ihr unsern Geist! [HGt.03_043,21] Hier
zupfte der Lamech den Henoch und sagte zu ihm: Bruder, was sagst denn du
dazu? Der redet ja wie ein Prophet! [HGt.03_043,22] Der Henoch aber
sagte zum Lamech: Er ist noch nicht zu Ende; daher wollen wir Ihn weiter
hören und dann erst unsere Betrachtungen darüber anstellen! Er
beginnt zu reden; also horchen wir!
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