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Jakob
Lorber
Die
Haushaltung Gottes
Leseprobe,
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Durch
das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber. Nach der 5. Auflage.
Lorber-Verlag Hindenburgstraße 5 D-74321
Bietigheim-Bissingen. Alle Rechte vorbehalten. Copyright © 2000 by
Lorber-Verlag, Bietigheim.
... 40. Kapitel
Der Empfang der Gäste durch den Hofstaat im Thronsaal.
Vorbereitungen zum Festmahl.
[HGt.03_040,01]
Als sie im Thronsaale anlangten, allwo des Lamechs ganzer Haupthofstaat
versammelt war, da rief der Lamech alsbald freudigst aus und sagte:
[HGt.03_040,02] Freunde, Brüder, Kinder und Schwestern! Freuet
euch mit mir; denn der Herr hat an uns allen eine große Erbarmung
ausgeübt! [HGt.03_040,03] Sehet, hier sind meine zwei Weiber, die Ada
und die Zilla, da meine für gänzlich verloren geglaubten Söhne,
der Jubal und der Jabal, und hier meine Tochter, die Naëme, mit ihrem
mächtigen Manne, den ihr der Herr Selbst gegeben hat! [HGt.03_040,04]
Und sehet, und höret, und frohlocket hoch mit mir! Diese hat mir und uns
allen der Herr wieder gegeben, daß sie bei mir sein sollen und mir in
reiner Art das seien, was sie mir waren vom Anbeginn, aber leider
in der dem Herrn unwohlgefälligsten, unreinsten Art! [HGt.03_040,05]
Oh, wie wollen wir uns nun freuen in der so mächtig-großen Gnade des
Herrn! [HGt.03_040,06] Brudal, gehe in die Speisekammern, und bereite
für uns alle ein festlich Mahl von dem besten Fleische und von den besten
Früchten, und eine zweite reichliche Tafel laß herrichten für
alle unsere gottesfreundlichen Bürger dieser Stadt, und eine dritte
für alle die Armen, welche jetzt frei sind, da sie ehedem unsere Sklaven
und Gefangenen waren! Gehe und richte es nach diesem meinem Verlangen!
[HGt.03_040,07] Und du, mein Bruder Terhad, du vom Herrn bestellter
Wächter des Haupttempels des Herrn, sende alsbald Herolde in die ganze
große Stadt, und laß alle die von mir Bestimmten laden zu diesem
meinem großen Freudenmahle in dem allerheiligsten Namen des Herrn Jehova
Zebaoth, der da ist unser aller Gott, Schöpfer und Vater, liebevollst,
weise, heilig und allmächtig von Ewigkeit! Also geschehe es! Amen.
...
41.
Kapitel Henochs Gespräch mit Lamech von der Höhe über die
gute Ordnung und über die böse menschliche Rangordnung.
[HGt.03_041,01]
Das anbefohlene Mahl ward bald bereitet, und die Geladenen kamen herbei; die
Tische wurden bestellt und wurden gesondert nach der Maßgabe
Lamechs. [HGt.03_041,02] Henoch aber sagte zum Lamech: Bruder, es ist
zwar eine Ordnung allenthalben gut, und wir sollten nichts tun außerhalb
einer gewissen Ordnung denn die Ordnung ist die Macht des Herrn; aus und
in Seiner Ordnung hat Er alle Dinge erschaffen ; aber dessenungeachtet
ist dem Herrn doch eine Ordnung, die die Menschen untereinander aufgestellt
haben oder wenigstens aufstellen möchten, beinahe ganz unerträglich,
und das ist die Rangordnung! [HGt.03_041,03] Wenn du ganz gleiche Dinge in
einer geraden Linie aufgestellt hättest, und es käme aber dann jemand
und verstellte die Dinge aus ihrer von dir bestellten geraden Linie,
fürwahr, du würdest dich darob ärgern und würdest den
Verrücker deiner Ordnung mit zornigen Augen ansehen! [HGt.03_041,04]
Wenn aber der Herr alle Menschen völlig gleich erschaffen hat und hat sie
vor Sich hingestellt in einer geraden Linie, wie mögen wir da des Herrn
gerade gestellte Linie krümmen nach unserm Belieben?! [HGt.03_041,05]
Wir können es freilich wohl tun und können in gewissen
Tätigkeitsrücksichten sagen: ,Der ist das und jener dies!
und was ein vom Herrn vorgesetzter Bruder dem andern ratet, den der Herr
nicht berufen hatte, daß dieser es tue! [HGt.03_041,06] Das ist die
rechte Rangordnung, die wir vom Herrn Selbst überkommen haben; aber bei
solchen Gelegenheiten, da wir ein Mahl geben den Brüdern, sollen nicht
drei gesonderte Tische stehen, sondern nur einer, damit wir alle als
völlig gleiche Brüder und Schwestern untereinander am selben
speiseten! [HGt.03_041,07] Als solches der Lamech vernommen hatte vom
Henoch, da ließ er sogleich die Tische zusammenstoßen, und es ward
so aus drei gesonderten Tischen ein Brudertisch nur. [HGt.03_041,08] Der
Henoch aber lobte den Lamech ob seines Gehorsams nach dem Willen und nach der
Liebe des Herrn. [HGt.03_041,09] Aber ganz heimlich trat der Lamech der
Höhe hin zum Henoch und sagte zu ihm: Höre, Vater Henoch, es
ist recht wohl und gut, was du nun geredet hast zu meinem Namensgefährten
in der Tiefe; aber nun begreife ich eines nicht so ganz recht aus dieser deiner
kurzen Rede bezüglich der Rangordnung unter den Menschen!
[HGt.03_041,10] Siehe, Kinder sind doch sicher geringer denn ihre Eltern;
denn es wäre dem Herrn doch sicher nicht recht, wenn sich die Kinder ihren
Eltern gleichstellen wollten! [HGt.03_041,11] Zudem erinnere ich mich so
mancher Erscheinung auf der Höhe, wo der Herr Selbst so ganz bedeutende
Unterschiede unter den Menschen gemacht und durchaus nicht alle gleich
behandelt hat! [HGt.03_041,12] Denn die drei Speisekörbe auf der
Vollhöhe sind eine unleugbare Tatsache, daß Er dich zum
Hohenpriester gemacht hat und die Purista, wie auch die Ghemela, erhoben hat
sichtbar! Wer kann solches in eine völlige Abrede stellen?!
[HGt.03_041,13] Es geht aber aus dem doch unfehlbar hervor, daß der
Herr sonach eine gewisse Rangordnung unter den Menschen aufgestellt hat, und
darum kann ich nun nicht so recht klug werden aus deiner Rede! Gib mir
daher einen näheren Bescheid darüber! [HGt.03_041,14] Und
der Henoch wandte sich zum Lamech und sprach: Mein Sohn, du bist in einer
starken Irre! Was der Herr tut, ist sicher etwas ganz anderes, als was der
Mensch tut und tun soll; denn Er allein ist ja der Herr! [HGt.03_041,15]
Die Rangordnung aber, welche der Herr unter uns Menschen aufgestellt hat, ist
nur auf unsere Liebe zu Ihm gegründet, und da heißt es: ,Je mehr du
Liebe zu Mir, deinem heiligen Vater, hast in deinem Herzen, desto näher
auch bist du bei Mir; mit je weniger Liebe zu Mir aber bist du auch desto
ferner von Mir! [HGt.03_041,16] Siehe, darin liegt der Henoch als
gestellter Hoherpriester, die drei Körbe auf der Vollhöhe, die
Purista und die Ghemela, wie die Pflicht der Kinder gegen ihre Eltern, die da
die ersten Hohenpriester von Gott gestellt ihren Kindern sind!
[HGt.03_041,17] Solches ist alsonach nur das Verhältnis der Liebe zu
Gott; aber unter Menschen soll in liebtätigen Stellungen solches nicht
also sein, daß sie sich voneinander sondern sollten, als dünkte sich
der eine mehr denn ein anderer! [HGt.03_041,18] Nur vor Gott sind wir
unterschiedlich durch unsere Liebe zu Ihm; aber unter uns soll kein
selbstgemachter Unterschied walten! [HGt.03_041,19] Denn wer da groß
wird sein wollen, der wird klein sein vor Gott; sind wir aber lauter
Liebebrüder untereinander, so werden wir es auch sein vor Gott!
[HGt.03_041,20] Also verstehe, mein Sohn, die Sache! Doch, die
Tische sind vereint; so lasset uns Platz nehmen an denselben! Amen.
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