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Die
Haushaltung Gottes, Bd. 2, Leseprobe, Seite 5
232.
Kapitel Wie die rechte Liebe zu Gott beschaffen ist. Das Gleichnis
vom Fürsten und seinen Kindern. ...
[HGt.02_232,11]
Wie aber mag Ich dir, Mein Lamech, das kundgeben, wie du einen Gott lieben
sollst?! [HGt.02_232,12] Siehe, es wird sich solches etwas schwer tun
lassen; ja Ich meine, es dürfte dir leichter sein, mit deinen viel zu
kurzen Armen die ganze Erde und den ganzen Himmel zu umspannen, als zu fassen
und zu begreifen das, was da in der vollen Antwort auf deine großwichtige
Frage gelegen sein dürfte! [HGt.02_232,13] Darum wird es wohl
notwendig sein, daß Ich Mich in solch einer Antwort etwas leichter fasse,
und so höre denn: [HGt.02_232,14] Ich setze den Fall, ein Vater
sehr vornehmen Standes, etwa wie ein Fürst einer der zehn Städte,
hätte mehrere Kinder. Diese Kinder wissen die Ordnung, wie sie sich zu
ihrem Vater begeben dürfen, nämlich ganz geziemend geschmückt,
gemessenen Schrittes, die Hände kreuzweise über ihre Brust gelegt und
das Haupt demütigst zum Boden gesenkt. [HGt.02_232,15] Wenn diese
Kinder also vor den fürstlichen Vater kommen, da belobt er sie und
entläßt sie dann. [HGt.02_232,16] Eines unter den Kindern, ein
rüstiger Knabe, aber ist ganz keck, erscheint nicht mit den abgerichteten
Kindern denn solches bringt er nicht über sein Herz, welches den
hohen Vater zu sehr liebt , sondern kommt ganz allein zum Vater gerannt,
ist sonst auch mehr nachlässig in seiner Kleidung. [HGt.02_232,17]
Wenn aber dieser Knabe den Vater ersieht, da breitet er seine Arme aus,
umfaßt ihn mit aller kindlichen Liebeglut und schreit dabei: ,O Vater,
Vater! Du mein lieber Vater, wie sehr doch liebe ich dich! [HGt.02_232,18]
Siehe du, mein herrlicher, lieber, guter Vater, ich liebe dich zu sehr, als
daß es mir möglich wäre, mich vor dir in den gesetzlichen
höflichen Schranken zu bewegen! [HGt.02_232,19] Ja, ich will eher
sterben, als vor dir, o mein Vater, meinem Herzen einen unterdrückenden
Liebezwang antun! [HGt.02_232,20] Ich setze aber nun den Fall, du
wärest der Vater solch eines Kindes, was würdest du, rein nach deinem
Vatergefühle geurteilt, da einem solchen Kinde wohl tun?
[HGt.02_232,21] Du sprichst: ,Oh, das würde ich auch über die
Maßen lieben! [HGt.02_232,22] Gut geantwortet! Ich sage dir
aber, gerade ein solcher Vater bin Ich auch! Wer demnach auch zu Mir kommt wie
dieser kecke Knabe, alle die zahllosen törichten
Höflichkeitsschranken übersteigend, der wird auch Mir der
allerliebste Sohn sein! [HGt.02_232,23] Gott kannst du für Sich nicht
lieben; aber den Vater kannst du lieben gleich dem kecken Knaben, und Gott als
der Vater wird dann dich auch mit aller Macht Seiner Liebe ergreifen und wird
dich setzen in Seinen Schoß als ein wahres Ihm über alles teures
Kind, und wird all den andern dann deinetwegen gnädig sein und ihnen
erlassen die leere Höflichkeit! [HGt.02_232,24] Siehe, das ist die
rechte Liebe; solche also beachte! Amen. ...
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