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Die
Haushaltung Gottes, Bd. 2, Leseprobe, Seite 4
231.
Kapitel Lamechs törichte Furcht vor dem Zorn des Herrn. Des
Herrn lichtvolle Aufklärung über den ,Zorn Gottes.
[HGt.02_231,01]
Nach dieser Rede stutzte die ganze Gesellschaft bis auf die aus der Höhe,
und ganz besonders der Lamech; denn nun dachte er bei sich: [HGt.02_231,02]
Er sieht zwar sonst wohl überaus gut aus, so, daß man bei Seinem
Anblicke stets wieder neuen Mut bekommt, mit Ihm wieder ein neues Wort
anzuknüpfen; Sein Auge ficht einen dazu an. [HGt.02_231,03] Aber nach
dieser Rede zu urteilen, ist Ihm denn doch nicht so ganz zu trauen; daher werde
ich sicher das Weisere tun und mich des Redens enthalten! [HGt.02_231,04]
Denn man kann doch nicht wissen, wie Er am Ende ein nur etwas dummes Wort
aufnähme, und man könnte sich mit Ihm am Ende die gute Sache
also sehr verderben, daß dann einem in alle Ewigkeit nimmer zu helfen
wäre! [HGt.02_231,05] Sein Zorn müßte etwas unaussprechlich
Erschrecklichstes sein! [HGt.02_231,06] Man bedenke nur einmal den Zorn
eines allmächtigen Gottes! [HGt.02_231,07] Da wäre es ja ums
unendliche besser, gar nicht zu sein, als zu sein neben einem zornigen Gotte!
[HGt.02_231,08] O daher nur stille, stille, meine dumme Zunge, du elendstes
Stückchen Fleisch im Munde! Du könntest unserer Menschheit ein
schönes Los bereiten! Einen Gott erzürnen? Um Gottes willen!
[HGt.02_231,09] Nein, nein, ich mag dergleichen gar nicht mehr denken; denn
ein Gedanke an den möglichen Zorn Gottes ist ja schon schrecklicher als
alles, was aller menschliche Verstand nur je ersinnen könnte!
[HGt.02_231,10] Und ich dumme Bestie von einem Menschen habe mich
können unterfangen, mit Ihm gerade also wie mit einem gewöhnlichen
Menschen zu reden und alle meine Dummheit vor Ihm auszulegen!
[HGt.02_231,11] Nein, je länger ich jetzt nachdenke und dazu noch
bedenke, was für ein Frevler ich war, desto entsetzlicher kommt mit jedem
Augenblicke mir meine dreiste Torheit vor! [HGt.02_231,12] Ich tat ja
dabei, als hätte ich Ihn, Gott den Allmächtigen, über Seine
Willensäußerung belehren wollen?! [HGt.02_231,13] Am Ende ist Er
schon heimlich erzürnt?! Um Gottes willen, was habe ich elender, dummer
Esel denn getan?! [HGt.02_231,14] Sein ernster Blick nun! Ja, ja, es ist,
wie ich es mir erst gedacht habe! Er ist heimlich erzürnt!
[HGt.02_231,15] Wer wird mich nun beschützen vor Ihm, wenn Er
über mich etwa wird den Zorn losbrechen lassen? [HGt.02_231,16] O wenn
Er mich nur diesmal verschonte! Ich möchte darum ja für mein ganzes
Leben stumm sein! [HGt.02_231,17] Er redet auch nichts mehr, weder mit den
Seinigen, noch mit jemandem von uns! [HGt.02_231,18] Das ist schon ein
sicheres Zeichen, daß Er ganz gewaltig erzürnt ist!
[HGt.02_231,19] Stille nun auch, mein Herz, und erwarte mit der
größten Furcht, Angst und Zittern den erschrecklichsten Ausbruch!
Oh, ich bin verloren, bin ewig verloren! [HGt.02_231,20] Hier
trat der Herr zum Lamech hin, sah ihn überaus freundlich an und sagte dann
zu ihm: [HGt.02_231,21] Mein lieber Lamech, mit was für elenden,
Meiner allerunwürdigsten Gedanken zerfleischst du dein Herz?!
[HGt.02_231,22] Wie kannst du dir wohl einen zornigen Gott vorstellen?!
[HGt.02_231,23] Siehe, Liebe und Zorn ist das Allerentgegengesetzteste, was
sich nur je ein allertiefst denkender lebendigster Geist denken kann!
[HGt.02_231,24] Liebe ist das alles ewig erhaltende , und der Zorn
aber das alles ewig zerstörende Prinzip. [HGt.02_231,25] Wäre
somit aber in Mir je irgendein barster Zorn möglich, so würde dieser
ja alsbald alle Liebe vernichten und mit ihr alles, was da von ihr erschaffen
wurde, ja endlich sogar sich selbst! [HGt.02_231,26] Siehe, nun aber
ist alles noch da; wo wäre demnach Mein Zorn?! [HGt.02_231,27] Es kann
wohl ein Mensch zornig werden, weil er ist zufolge seiner Freiheitsprobe ein
von Mir entferntes Wesen, und somit ein zeitweiliger Gegensatz zu Mir, darum er
sich dann eben auch nur wieder durch die Liebe zu Mir mit Mir vereinen kann,
aber Ich als die allerreinste Liebe bin durchaus des Zornes
unfähig! [HGt.02_231,28] Ja einst war die Liebe in Mir wohl auch mit
dem Zorne umfangen; da aber war die Unendlichkeit auch noch leer von allen
Geschöpfen, sowohl geistig als materiell! [HGt.02_231,29] Aber die
Liebe ergriff den sie drückenden Zorn und stellte ihn körperlich
wesenhaft außer Sich. [HGt.02_231,30] Und siehe, aus diesem Zorne
sind dann geschaffen worden alle die zahllosen Geister, Sonnen und Welten,
diese Erde und alles, was auf ihr ist! [HGt.02_231,31] Willst du demnach in
der Wahrheit den Zorn Gottes sehen, da schaue die geschaffenen Dinge an; diese
sind der Zorn Gottes! [HGt.02_231,32] Aber sie sind nicht etwa ein ledig
Zorn, sondern Meine Liebe ist allenthalben das mächtigste Wesen dabei.
[HGt.02_231,33] Diese hält und trägt nun alles, und außer
ihr gibt es keine Macht mehr, die da stärker wäre denn sie.
[HGt.02_231,34] Darum soll auch der Mensch nicht an der Welt hängen,
sondern sich von ihr ganz losreißen, damit er am Ende nicht von ihr
verschlungen wird und somit nicht gerät in Meinen Zorn! Denn die Welt ist
ja Mein gefesselter Zorn; wer aber mit der Welt ist, der wird auch mit ihrer
ewigen Todesfessel sein! [HGt.02_231,35] Was du aber bei Mir etwa als
,Zorn ansehen möchtest, siehe, das ist nur Mein göttlicher,
allerlebendigster Liebeeifer, welcher an und für sich ist Meine Erbarmung!
[HGt.02_231,36] Also magst du vor Mir wohl reden, was du willst, und Ich
werde dir nicht zürnen, wohl aber dich belehren in törichten Sachen!
[HGt.02_231,37] Was dir somit noch am Herzen liegt, das gib Mir unverhohlen
kund, und Ich will dir an die Hand gehen; also rede! Amen.
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