|
Die
Haushaltung Gottes, Leseprobe, Seite 4
[HGt.01_007,06]
Und siehe, da keimten aus dem Festen der Erde Kräuter, Pflanzen,
Gesträuche und Bäume aller Art, und die Meere, Seen, Ströme,
Flüsse, Bäche und Quellen wimmelten von Gewürmen, Fischen und
Tieren aller Art; und die Luft war belebt von den Vögeln aller Art. Und
die Zahl jeglicher Art sowohl in den Gewässern als auch auf den festen
Landen und in den Lüften war gleich der Zahl des Menschen, der aus dieser
Zahl gemacht wurde, und war gleich der Zahl der Gnade der Liebe und war gleich
der Zahl der künftigen Erlösung und der daraus entstehenden und
hervorgehenden Wiedergeburt. [HGt.01_007,07] Und nun siehe und begreife,
was bis jetzt noch von niemandem gesehen und begriffen wurde: Die ewige Liebe
nahm die Zahl aus Sich, und die Zahl war die Ordnung und das ewige Gesetz in
Ihr, aus und in welcher Sie Selbst ewig bestand, besteht und bestehen wird in
aller Macht und Kraft der Heiligkeit Gottes. Und Sie nahm denn Tonerde gleich
dem Obers der geronnenen Milch und formte mit der Hand Ihrer Macht und mit der
Hand Ihrer Kraft nach der Zahl Ihrer Ordnung den ersten Menschen und blies ihm
durch die Nüstern den lebendigen Odem ein. Und der Odem ward in ihm zur
lebendigen Seele, und die Seele erfüllte ganz den Menschen, der nun
gemacht wurde nach der Zahl der Ordnung, aus welcher gemacht waren die Geister
und gemacht wurden die Welten in den Räumen und die Erde und alles, was
auf ihr ist, und der Mond und die Sonne. [HGt.01_007,08] Und nun siehe,
dieser erste Mensch auf der Erde, der hervorging aus den Händen der Macht
und der Kraft der ewigen Liebe, wurde benannt aus dem Munde der erbarmenden
Gnade ,Adam oder ,Sohn der Erbarmung und der Gnade.
[HGt.01_007,09] Und nun merke wohl: Dieser Adam war an der Stelle des
ersten der gefallenen Geister; es ward ihm nicht zu erkennen gegeben, wer er
war, und siehe, da langweilte es ihn, da er sich nicht erkannte und auch nichts
finden konnte, was ihm ähnlich wäre. [HGt.01_007,10] Und siehe,
da wehte ihn, unsichtbar seinen noch blinden Augen der Seele, die ewige Liebe
an, und er schlief zum ersten Male in der Anmut der erbarmenden Liebe ein. Und
die Anmut der erbarmenden Liebe formte im Herzen des Adam, gleichsam wie in
einem süßen Traume, eine ihm ähnliche Gestalt von großer
Anmut und ebenso großer Schönheit. [HGt.01_007,11] Und die ewige
Liebe sah, daß der Adam große Freude fand in sich durch die innere
Anschauung seines zweiten Ichs. Da rührte ihn die erbarmende Liebe an der
Seite, da ihm gegeben ward ein Herz gleich dem Herzen der Gottheit zur Aufnahme
der Liebe und des Lebens aus der Liebe in Gott, und nahm ihm dadurch die
Eigenliebe, um für Sich Selbst eine Wohnstätte zu bereiten durch das
künftige Gesetz der erbarmenden Gnade, und stellte die Eigenliebe, an der
er großes Wohlgefallen fand in sich, außer seinem Leibe
körperlich und hieß sie ,Caiva oder, wie ihr schon gewohnt
seid zu sagen, ,Eva, das ist soviel als die vorbildende Erlösung von
der Selbstsucht und die daraus hervorgehende Wiedergeburt. [HGt.01_007,12]
Und siehe, da rührte ihn die erbarmende Liebe an und weckte ihn zur
Anschauung seiner Eigenliebe außer ihm und sah, daß er ein
großes Wohlgefallen an der Anschauung seiner Liebe außer ihm hatte
und fröhlich war über die Maßen; und die Liebe außer ihm,
die nun Eva hieß, ergötzte sich an dem Menschen Adam und neigte sich
zu ihm und folgte jeder seiner Bewegung. [HGt.01_007,13] Und siehe, da
sprach die ewige Liebe zum ersten Male den Adam an: Adam!
Und er sprach zum ersten Male: Hier bin ich, Herr der Glorie, der Macht
und der Kraft! [HGt.01_007,14] Und die ewige Liebe sprach abermals:
Siehe deine Gehilfin! Und die Eva antwortete: Siehe,
Herr, die Magd gehorsam zu den Füßen Deines Sohnes liegen und harren
seiner Befehle! [HGt.01_007,15] Und siehe, die erbarmende Liebe fand
großes Wohlgefallen an den Werken Ihrer Macht und Kraft durch die Gnade
Ihrer Erbarmung und sprach ferneres und unterrichtete sie in allem und lehrte
sie alle Dinge kennen, benennen und gebrauchen. Und als sie alles verstanden,
kannten und gebrauchen konnten, da sprach die erbarmende Liebe wieder zu ihnen:
Nun sehet, ihr erlerntet nun alles, ihr kennet nun alles und könnet
den Gebrauch machen von allem bis auf eines, und dieses Letzte will Ich euch
jetzt lehren und die Kraft in euch legen zur Fortzeugung und Fortpflanzung
euresgleichen; aber ihr dürfet davon erst dann Gebrauch machen, wenn Ich
wiederkommen werde, euch bekleidet werde finden mit dem Kleide des Gehorsams,
der Demut, der Treue und der gerechten Unschuld. Wehe aber euch, so Ich euch
nackt finde; Ich werde euch verstoßen, und der Tod wird die Folge
sein!
8.
Kapitel Der Sündenfall
[HGt.01_008,01]
Und siehe, da verdeckte Sich die ewige Liebe das Angesicht und entfernte Sich
nach der Zahl der Ordnung auf eine bestimmte Zeit und war blind aus Ihrer Tiefe
der Erbarmung und wollte und konnte nicht wissen, was die Neugeschaffenen tun
würden im Gerichte der Gottheit für die Probe ihrer Freiheit in der
Zeit der Kürze auf der Erde durch die Liebe der Erbarmung. Und der Ort,
der ihnen gegeben ward zur Wohnung auf den Festen des Landes, war ein Tal und
war ein Garten und ward benannt das Paradies; und das war das Land, das
später von Milch und Honig überfloß, und war die Stelle, die in
der großen Zeit der Zeiten der größten der Taten der ewigen
Liebe ,Bethlehem hieß und so heißen wird fürder
ewiglich, und war der Punkt, da das ewige Wort im Fleische körperlich zum
ersten Male erschaute das Licht Seiner Gnade dem Tropfen der Erbarmung leuchten
von der weiten Sonne, dem Monde und allen den Sternen. [HGt.01_008,02] Und
siehe, ihre Begierde wuchs im Gerichte der versuchenden Gottheit in Ihrem
Grimme. Und es stand ein Baum im Garten, und dieser Baum trug Äpfel der
schönsten Art, und der Eva gelüstete nach denselben, und sie sprach
zu Adam: Siehe, Adam, mich gelüstet stark nach dieser Frucht! So du
willst, will ich eine pflücken und verkosten und es dir dann reichen als
erste Gabe aus meiner Hand! [HGt.01_008,03] Und siehe, der Adam
schwieg, nachdenkend über die Rede der Eva. Und eine innere Stimme, die
heilig war, da sie aus der Gottheit in ihm kam, sagte ihm: So ihr von der
Frucht dieses Baumes essen werdet, so werdet ihr sterben! Und der Adam
erschrak darüber sehr, so daß er keine Antwort geben konnte der
geliebten Eva. [HGt.01_008,04] Und die Begierde stieg in der Eva empor und
zog sie unter den Baum und hieß sie pflücken einen Apfel vom selben.
Und es gewahrte nun der Adam, daß die Eva untreu wurde seinem Herzen, und
er ward traurig und sprach: [HGt.01_008,05] Eva, Eva, was tust du?
Siehe, wir sind noch nicht gesegnet vom Herrn der Macht und der Kraft und des
Lebens! Siehe, du hältst die Frucht des Todes in deiner Hand; wirf sie von
dir, damit wir nicht sterben in der Nacktheit vor dem Herrn der
Gerechtigkeit! [HGt.01_008,06] Und siehe, da erschrak die Eva in
ihrer Begierde vor dem Ernste des Adam und ließ die Frucht des Todes
fallen auf die Erde. Und ihre Begierde verließ sie, und sie ward frei von
ihrer Begierde, und der Adam fand ein großes Wohlgefallen an der
Befreiung aus den Schlingen der todbringenden Begierde Evas.
[HGt.01_008,07] Aber siehe, die von der Eva aus ihrem Herzen verbannte
Begierde lag nun auf der Erde und formte sich durch die Macht des richtenden
Grimmes der Gottheit zur Gestalt einer großen Schlange, nahm die Frucht
des Todes in ihren Rachen, kroch auf den Baum und umschlang denselben in allen
Ästen und Zweigen von der Wurzel bis zum Scheitel und richtete starre
Blicke auf die Eva. Und die Eva gewahrte es und sah die Schlange an, und der
Adam gewahrte es auch durch die Eva; aber er sah die Schlange noch nicht.
[HGt.01_008,08] Und siehe, die Eva näherte sich der Schlange und
betrachtete mit großer Lust ihre verführerischen Windungen um den
Baum und die schillernden Farben ihres kalten Schuppenpanzers.
[HGt.01_008,09] Die Schlange aber bewegte sich und legte den Apfel in den
Schoß der nun sitzenden Eva, erhob dann ihren Kopf wieder und redete die
Eva mit folgenden Worten an: [HGt.01_008,10] Eva, siehe deine
Tochter, verstoßen von dir, umwinden den Baum deiner Lust!
Verschmähe nicht die geringe Gabe, die ich dir in deinen Schoß
legte, sondern genieße unbesorgt die Frucht deiner Liebe; du wirst nicht
nur nicht sterben, sondern wirst dich sättigen für die Erkenntnis
alles Lebens über Gott, den du fürchtest, wo Er doch schwächer
ist denn du! Und siehe, da teilte sich die Zunge der Schlange und wurde
spitziger denn ein Pfeil, und die Schlange neigte ihren Kopf zu Evas Brust, als
wollte sie dieselbe küssen nach kindlicher Art; aber sie stieß nun
ihre zwei Giftpfeile in die Brüste Evas, und die Eva erblickte ihre eigene
Gestalt in der Schlange. [HGt.01_008,11] Und nun bemerkte auch der Adam,
was da vorging unter dem Baume, und es gefiel ihm überaus die zweite Eva,
und er bemerkte nicht, daß es nur eine Schlange war. Und siehe, da
entbrannte auch er in seiner Begierde, in der Lust zur zweiten Eva, nahm die
Frucht aus dem Schoße der Eva, wurde ungetreu seiner Liebe und
genoß von der verbotenen Frucht aus dem Schoße Evas mit
wollüstiger Begierde; und in dem Genusse erkannte er sich als den Ersten,
der verlorenging durch die große Eitelkeit seiner blinden Selbstsucht im
Reiche des Lichtes der ewigen Liebe und gefallen ist ins Zornmeer der ewig
unerbittlich tötenden Gottheit. [HGt.01_008,12] Und nun siehe, wie er
sich so erkannte und die verblendete Eva sich durch ihn, da stieg große
Reue in ihm aus dem Grunde seines Herzens empor, und die Eva schämte sich
ihrer gewahrten Nacktheit und der Nacktheit Adams und ward bestürzt vom
Scheitel bis zur Sohle und bedeckte ihre Nacktheit mit Blättern von einem
Feigenbaume. Und auch der Adam reckte seine Hände nach den Blättern
zur Bedeckung seiner Blößen und verbarg sich in eine Höhle und
weinte da Tränen großen Schmerzes; und die Eva verbarg sich hinter
einem Dornstrauche und trauerte gewaltig über ihre verführende
Schuld.
Vorige Seite |
Nächste
Seite
Zurück zur
Bibliographie
Lorber-Verlag, Hindenburgstraße 5, D-74321
Bietigheim-Bissingen,
info@lorber-verlag.de
|