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Jakob
Lorber
Die
geistige Sonne
Leseprobe
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das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber. Lorber-Verlag
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...
126.
Kapitel Ein Baum als Beispiel vom Wesen des Geisterreiches.
[GS.02_126,01]
Im Verlaufe der ganzen Mitteilung aus dem Gebiete des geistigen Sonnenreichs
ist wohl in dieser Hinsicht jedes einzelne kleinste Verhältnis gezeigt
worden, wie die Geisterwelt mit der naturmäßigen zusammenhängt;
und man könnte darum hier füglich sagen: Um aus den
Erscheinlichkeiten auf den Grund schließen zu können, wäre es
beinahe unnötig, hier noch etwas Weiteres zu sagen, indem eben dieser
Gegenstand im Verlaufe der ganzen Mitteilung in all seinen Zweigen hinreichend
beleuchtet worden ist. [GS.02_126,02] Ich aber sage: Des Guten hat der
Mensch nie zu viel; wohl aber des Schlechten. Denn viel Gutes mag oft das
Schlechte nicht bessern; aber ein wenig Schlechtes kann oft viel Gutes
verderben! [GS.02_126,03] Und so wollen wir auch noch durch manche
anschauliche Beispiele unseren vorliegenden Gegenstand so klar als möglich
beleuchten. [GS.02_126,04] Seht an einen Baum. Sein Wesen, wie es da ist,
stellt euch das ganze Wesen der Geisterwelt in ihrem Verhältnisse zur
naturmäßigen Welt in entsprechender Erscheinlichkeit dar.
[GS.02_126,05] Das Inwendigste des Baumes, der Kern also, ist das
Himmlische, der Stamm, die Äste und die Zweige sind das eigentliche
Geisterreich, das sein Leben vom inwendigen Kerne hat. Über dem Holze des
Stammes werdet ihr die Rinde erblicken, die das Außenerscheinliche des
Baumes ist. Die Rinde an und für sich ist tot; aber unter der
äußeren toten Rinde befindet sich noch eine andere Rinde, die ihr
die lebendige nennt. Diese ist gleich dem Verbindungszustande, wo
das Geistige in das Materielle übergeht. [GS.02_126,06] Betrachten wir
die Wirkung dieser Rinde. Aus ihr geht zuerst die äußere tote Rinde
hervor, und wieder geht aus dieser lebendigen Rinde all das vergängliche
Blätterwerk, wie auch die äußere Form der Blüte und
endlich selbst die äußere Schale der Frucht hervor.
[GS.02_126,07] Alle die Produkte aber sind nicht bleibend; sie fallen nach
der Zeit, wenn sie ihre Dienste geleistet haben, ab. [GS.02_126,08] Seht,
so ist es mit der Welt und allem dem, was ihr angehört. Alles das gleicht
der äußeren Rinde, den Blättern und Blüten, aber auch
endlich den Früchten eines Baumes. Diese fallen ab. Aber der Baum besteht
und trägt in seinem innern Leben zahllosfältig das Außenbild
des Erscheinlichen und Vergänglichen. Wie kann man aber nun aus dem
Erscheinlichen auf den inneren wahren Grund schließen? Ich sage: Auf die
leichteste Weise von der Welt. Ihr dürfet nur das Erscheinliche euch
verunendlichfältigt und zugleich zweckdienlich gesamtwirkend vorstellen,
so habt ihr den Grund des Geistigen schon vor euch. [GS.02_126,09] Der
Hauptgrund aber ist ersichtlich dadurch zu finden, daß ihr die ganze
vieljährige vegetative Aktion eines Baumes betrachtet. Sie besteht in
nichts anderem, als in der steten Mehrung und fortwährend sich steigernden
Kräftigung des Lebens. [GS.02_126,10] Ganz einfach wird dieses in
einem einzelnen kleinen Samenkorne in die Erde gelegt. Welche Lebenskraft
ursprünglich in diesem Samenkorne ist, z.B. in einer Eichelnuß, kann
ein jeder Mensch erproben, wenn er eine solche Nuß in seine Hände
nimmt und damit spielen kann wie mit einer Federflaume. [GS.02_126,11] Wenn
aber diese unbedeutende Eichelnuß in die Erde gelegt wird, so fängt
sich in ihr das vegetative Leben an zu kräftigen. Ein junger Eichbaum mit
höchstens zwei Blättern wird zuerst ersichtlich. In diesem ersten
Stadium ist das vegetative Leben des werdenden Eichbaumes noch schwach. Es
übertrifft das Gewicht der vorigen glatten Eichnuß kaum um das
Zehnfache. Aber betrachten wir es nur um dreißig Jahre später. Da
hat es sich schon eine so mächtige vegetative Lebenskraft angeeignet,
daß ihr an seinem Stamme mehrere Pferde anbinden könnet, und sie
werden ihn mit ihrer riesigen Kraft dem Boden nicht zu entreißen
vermögen. Betrachtet es aber in einem Alter von hundert Jahren. Welch ein
riesiger, majestätischer Baum, und welche allen Stürmen trotzende
Kraft in ihm! Wieviel tausendfältig hat diese hundertjährige Eiche in
den gleichen Eichelnüssen ihr ursprüngliches kleines vegetatives
Leben reproduziert und wie mächtig hat sie durch ihre Abfälle und
dadurch gewisserart mit dem Überflusse ihrer vegetativen Lebenskraft den
Boden um sich her gedüngt und ihn zur steten Vermehrung der eigenen
Lebenskraft belebt! [GS.02_126,12] Kurz, ein solcher Baum ist zu einer Welt
voll Lebens geworden. Und das alles kam von einer einzelnen unbedeutenden
Eichelnuß. [GS.02_126,13] Sehet, also geht ursprünglich von Mir
nur ein Fünklein der Lebenskraft aus, mit dem Vermögen
ausgerüstet, sich als eine Lebenskraft bis ins Unendliche zu stärken
und zu kräftigen. Und dazu dient eben diese Erscheinlichkeit am Baume zu
jedermanns klarster Einsicht. [GS.02_126,14] Wir sagten ehedem: Aus der
lebendigen Rinde geht das erscheinliche Blätterwerk hervor, die
äußere Blüte und selbst die Schale der Frucht. In der Frucht
selbst bekommt der Keim des Kernes nur ein überaus kleinstes Fünklein
aus dem allgemeinen Leben des Baumkernes. Der Kern wird samt der Frucht reif
und stellt den Menschen in seiner Welterscheinlichkeit dar. Höchst einfach
und wenig sagend ist seine außenerscheinliche Form und gering seine
Kraft. Aber er ist gleich einer Eichelnuß. Wenn er in das gute Erdreich
Meines Willens gelegt wird, da geht sein innerer Keim auf, und dieser wird
endlich selbst zum mächtigen Baume, dessen Kraft die Kraft zahlloser
ehemaliger Eichelnüsse übertrifft.
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