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Drei
Tage im Tempel, Leseprobe, Seite 3
[DTT.01_002,14]
Als Gott dem Moses auf dem Sinai die Gesetze gab, da bebte beinahe der ganze
Erdkreis, und die Geschichte in der Wüste hat bei vierzig volle Jahre
gedauert, und es mußte da schon nahezu alle Welt die Allgewalt Jehovas
anerkennen. Um so mehr wird sich der in diese Welt kommende Messias, von dem
David sang: ,Machet die Tore weit und die Türen der Welt hoch, daß
der König der Ehren einziehe! Wer ist der König der Ehren? Es ist der
Herr stark und mächtig, der Herr mächtig im Streit! Machet die
Tore weit und die Türen der Welt hoch, daß der König der Ehren
einziehe! Wer ist der König der Ehren? Es ist der Herr Zebaoth, Er ist der
König der Ehren!, sicher noch mehr die ganze Welt erbeben machend
zeigen! [DTT.01_002,15] Und du, mein holder Knabe, wirst sonach wohl
einsehen, daß es da mit der Geburt in Bethlehem, die bereits ganz
verschollen ist, bezüglich des anzuhoffenden Messias wohl seine sehr
geweisten Wege haben wird! Bedenke nur, wie Ihn David angekündigt hat, und
was man zuvor tun solle, so der große König der Ehren aus den
Himmeln zu den Juden kommen werde, und bedenke auch, daß da alle Juden
zuvor sicher mehrere Jahre werden von großen Propheten wie von
Elias, der in jener Zeit dem Herrn der Ehren vorangehen wird
aufgefordert werden, das ins Werk zu setzen, was der große König
David anbefohlen hat, um sich auf eine solch ungeheure Ankunft des
allerhöchsten Gottes wohl vorzubereiten! [DTT.01_002,16] Denke du,
holder Junge, darüber nur nach, und es wird dir dann schon einleuchtend
werden, daß ein Jehova Zebaoth nicht gar so leichten Kaufes in die Welt
kommen wird! Darum gehe nun und frage um derlei nicht wieder!
[DTT.01_002,17] Darauf erst machte Ich die schon vorher bekanntgegebene
Bemerkung, die den reichen Mann aus Bethanien bewog, für Mich die
große Besprechungstaxe zu zahlen, um Mir zu ermöglichen, über
die von Mir gegebene Vorfrage weitere Einwendungen zu machen und Mich
darüber auch noch weiter über die auf den Messias lautenden Texte im
Jesaias auszusprechen, denn er war einer der wenigen, die nun den ,König
der Ehren nach Elias nicht mehr im Sturme oder Feuer, sondern im sanften
Windessäuseln erwarteten.
3.
Kapitel Des Jesusknaben Frage an die Schriftgelehrten: Wer ist die
,Jungfrau und wer ihr ,Sohn? Die gute Antwort der weisen
Schriftgelehrten.
[DTT.01_003,01]
Als Ich auf diese Weise Sprachluft bekommen hatte, sprach Ich zu den
Ältesten und Schriftgelehrten, die Mir bedeuteten, daß Ich nun reden
solle und fragen, um was ich wolle, und sie würden mir nun
pflichtgemäß antworten. Und so begann Ich wieder mit der gestellten
Vorfrage und sagte: Eure noch so sicher scheinend gestellten Worte
können das Meer nicht ruhen machen und den rauschenden Winden nicht
Stillschweigen gebieten! Nur ein Blinder merkt von den Zeichen dieser Zeit
nichts, und als Stocktauber kann er auch nicht vernehmen den mächtigst
dröhnenden Geschichtsdonner dieser allerdenkwürdigsten Zeit der
ganzen Erde. Während schon Karmel und Sion vor dem angekommenen König
der Ehren ihr Haupt geneigt haben und Horeb aus seinen hohen Zinken Milch und
Honig fließen läßt, wisset ihr, die ihr am ehesten davon
wissen und das harrende Volk davon benachrichtigen sollet, nicht eine
Silbe! [DTT.01_003,02] Hier machten alle große Augen und sahen
bald Mich und bald wieder sich untereinander an und wußten nicht, was sie
Mir erwidern sollten. [DTT.01_003,03] Nach einer Weile sagte einer:
Nun so rede du weiter von dem, was du davon weißt!
[DTT.01_003,04] Sagte Ich: Sicher weiß Ich, was Ich weiß;
aber darum stellte Ich keine Frage an euch, um Mir das von euch erläutern
zu lassen, was Ich ohnehin weiß, sondern nur, daß ihr es Mir
zeigtet, wer des Propheten Jesaias schwangere Jungfrau ist, von der eben der
Sohn des Allerhöchsten soll geboren werden! Warum wird sie Ihm den Namen
,Emanuel (Gott mit uns) geben? Warum wird Er Milch und Honig
essen, um zu verwerfen das Böse und zu erwählen das Gute? Dieses
müsset ihr als Schriftgelehrte denn doch verstehen, was der Prophet unter
der schwanger gewordenen Jungfrau, die den bezeichneten Sohn gebären
werde, bezeichnet hat! [DTT.01_003,05] Ich bin denn doch der Meinung,
daß an jener bethlehemitischen Geburtsgeschichte etwas mehr ist, als ihr
meinet, und daß jenes Elternpaar, der bekannte Zimmermann Joseph aus
Nazareth und dessen später zum Weibe angetraute Jungfrau, samt dem zu
Bethlehem geborenen Sohne noch ganz gut leben; denn sie sind durch eine recht
weise Vermittlung des damaligen römischen Hauptmannes Kornelius der
späteren Grausamkeit des alten Herodes entronnen und leben nun ganz
wohlbehalten zu Nazareth in Galiläa. [DTT.01_003,06] Solches
weiß Ich als ein Knabe von zwölf Jahren, und euch, die ihr doch um
alles wisset, sollte das unbekannt sein zumal Joseph als einer der
tüchtigsten Zimmermeister noch alle Jahre für Jerusalem etwas zu
machen bekommen hat und ihr ihn gar wohl kennet, sowie dessen Weib, das eine
Jerusalemerin ist und bis zu ihrem vierzehnten Jahre im Tempel erzogen wurde?
Ist sie nicht eine Tochter der Anna und des Joachim, die nach euren chronischen
Aufzeichnungen wunderbarerweise zur Welt kam? Anna war schon hohen Alters, und
ohne ein Wunder wäre da an eine Befruchtung wohl nie zu denken gewesen!
[DTT.01_003,07] Nun, dieses Elternpaar samt dem neugeborenen Knaben lebte
bei drei Jahre lang, gleich nach der Flucht aus Bethlehem, wohl in
Ägypten, und zwar in der Nähe des Städtchens Ostrazine, nach der
altägyptischen Sprache Austrazhina, das soviel sagt als ,ein
Schreckenswerk, also eine Feste, die allen Feinden zu den Zeiten der
Pharaonen den Tod brachte. Später haben die mächtigeren Feinde des
alten Ägypten diesen Schreckensort wie vieles andere erobert, und es ist
zu unseren Zeiten von dem einstigen Schreckensort und -werk nichts geblieben
als der alte, verkümmerte Name, dem die Römer freilich eine andere
Deutung gegeben haben als die alten Ägypter. [DTT.01_003,08] Allein
daran liegt nichts, sondern Ich führte dies Mir Bekannte nur darum an, um
euch den dreijährigen Aufenthaltsort des in Rede stehenden Elternpaares
näher zu bezeichnen. Von dort sollen sie nach einer geheimen höheren
Weisung wieder nach Nazareth heimgewandert sein, wo sie nun vollkommen
gottergeben in möglichster Zurückgezogenheit leben, obschon man sich
dort von dem Knaben, den sehr wohl zu kennen auch Ich die Ehre habe, eine Menge
Wunderdinge erzählt. Denn es gehorchen Ihm die Elemente sogar, und die
wildesten Tiere der Wälder und Wüsten fliehen vor seinem Blick
ärger denn vor tausend Jägern. Denn in dieser Hinsicht ist Er ein
tausendfacher Nimrod! Und davon solltet ihr im Ernste nichts wissen?! Saget es
Mir aber ganz aufrichtig und wahr, ob ihr wohl im Ernste von alledem nichts
vernommen habt!
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