Jakob Lorber

Die Fliege

Einblicke in die Wunder der Schöpfung

Leseprobe
Hinweis: Diesen Text können Sie sich auf Ihren Computer laden. Dazu klicken Sie bitte im oberen Bildschirmbereich auf eines der zur Auswahl stehenden Dateiformate:
"PDF-Dokument" (41 KB) oder "HTML-Dokument" (Zip, 9 KB).

Durch das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber. Nach der 6. Auflage 1988.
Lorber-Verlag – Hindenburgstraße 5 – D-74321 Bietigheim-Bissingen. Alle Rechte vorbehalten. Copyright © 2000 by Lorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen.

...

12. Kapitel – Die Fliege als Symbol der Demut.

25. März 1842, Karfreitag
[Fl.01_012,01] Was unter dieser Beeinträchtigung verstanden wird, habt ihr zwar schon im Verlaufe dieser Mitteilung zur Genüge gehört, ja nicht nur im Verlaufe dieser, sondern auch mehrerer anderer Mitteilungen habt ihr es schon zu öfteren Malen empfangen, wie man dessenungeachtet für sich allein dastehen kann, wenn man sich auch in seinem Herzen auf das innigste vereinigt mit seinem Schöpfer. Es ist euch aber dessenungeachtet noch immer dunkel ums Gefühl, und der Glaube hat noch ein hartes Feld, und die Seele nimmt es schwer auf, wie der Mensch im Geiste ein vollkommen freies, selbständiges Leben haben könne, welches aber doch also gebunden ist mit dem Urleben des Schöpfers, daß es mit diesem vollkommen nur ein Leben ausmacht.
[Fl.01_012,02] Ja, wahrlich solches in der irdischen Beschränktheit zu erfassen, ist wohl außerordentlich schwer, und Ich sage euch: Wer es nicht lernt von dem bescheidenen Liedchen der Fliege, oder nun noch deutlicher gesprochen, wer es nicht lernt aus der wahren, allerinnersten Demut auf dem Wege des Kreuzes, ja noch deutlicher und heller gesprochen, wer es nicht lernt von Mir, dem Vater, der Ich die allerhöchste und allerinnerste Demut Selbst bin, der wird es nicht begreifen, und sicher auch zu häufigen Malen ewig nimmerdar verstehen, nämlich, wie Vater und Kinder vollkommen Eines sein können.
[Fl.01_012,03] Damit ihr euch aber davon eine gegründetere Vorstellung machen könnt, so wollen wir die Blicke noch auf zwei große Dinge richten, nämlich auf einen großen Menschen, der da heißt „Welt“, und auf einen anderen großen Menschen, der da heißt der „Himmel“.
[Fl.01_012,04] In Hinsicht auf den ersten Menschen, in formell-materieller Hinsicht betrachtet, sind ganze Hülsengloben voll Sonnen und Welten kaum Nervenwärzchen seines Wesens zu nennen, und so dieser Mensch auch in dieser seiner Größe sich vollkommen als ein Leben ansieht also, wie ihr euch als ein Leben ansehet, – besteht er darum wirklich nur aus einem Leben?
[Fl.01_012,05] Ich meine, um das einzusehen, daß dieser große Weltenmensch ein gar vielfaches Leben lebt, brauche es weiter gar nichts, als nur einen Schwarm Fliegen anzusehen, und sie werden es durch ihr Gesumse kundgeben, daß schon sogar sie als erste Tierlein für sich ein abgeschlossenes Leben haben. Um wieviel mehr muß der Mensch für sich dasselbe bekennen, und noch mehr eine ganze Erde voll Völker und anderer lebender Wesen zahlloser Arten, und noch bei weitem viel mehr eine Sonne mit ihren vollendeten Wesen, und noch bei weitem viel mehr eine Zentralsonne um die andere mit ihren allervollkommensten und allermächtigsten Geistern, und endlich noch mehr eine abgeschlossene Hülsenglobe für sich, die doch ein nahe endloser Inhalt ist sogar schon von zahllosen Weltkörpern, geschweige erst von den Wesen auf denselben.
[Fl.01_012,06] Und doch sind all die Hülsengloben, alle Zentralsonnen, alle Nachzentralsonnen, alle Planetarsonnen und alle andern Nebensonnen mit ihren Planeten und all den Wesen auf denselben, in eigentlichster Hinsicht betrachtet, nichts als Körperteile dieses großen Weltenmenschen, der für sich ein so gut abgeschlossenes Leben hat wie jeder Mensch von euch auf der Erde und samt dieser in diesem großen Weltenmenschen.
[Fl.01_012,07] Sehet, das ist nun die Betrachtung von der materiellen Seite.
[Fl.01_012,08] Nun lenken wir unseren Blick auf den Himmelsmenschen, gegen dessen Größe sich dieser vorhin ausgesprochene große Weltenmensch gerade so verhält, wie ein trillionster Teil eines Atoms gegen die Größe des vorbekannten Weltenmenschen.
[Fl.01_012,09] Ja, der Himmel in seiner menschlichen Hinsicht ist so groß, daß alle die zahllosen Milliarden der Hülsengloben, aus denen dieser große vorbenannte Weltenmensch besteht, sehr bequem in dem Rohre eines Härchens auf seinem Leibe Platz hätten, so zwar, daß sie alle ihre Bewegungen im selben machen könnten, ohne nur je die Wände dieses Haarröhrchens zu berühren!
[Fl.01_012,10] Nun denket euch, wie viel Leben hat nun dieser Himmelsmensch schon in einem Haarröhrchen oder wenigstens in einem dem Haarröhrchen entsprechenden anderen Leibesteile, und wie viel Leben muß er dann erst in einem Gliede haben, wie viel in seinem Herzen erst, und wie viel in seinem ganzen Leibeswesen, – und doch denkt dieser ganze Himmelsmensch für sich nur als ein einfacher, für sich allein bestehender Mensch, während doch in ihm zahllose Milliarden und Milliarden der allervollkommensten Engel und Geister alle also abgeschlossen für sich denken und leben wie der große Himmelsmensch!
[Fl.01_012,11] Ja, in dem Himmelsmenschen gibt es noch andere Verhältnisse, durch welche vollkommen gleichdenkende und gleichliebende Wesen einen Verein bilden, der, für sich genommen, entsprechend einem irdischen Weltkörper oder wenigstens einem Teile desselben, vollkommen einen Menschen darstellt, welcher wieder ganz auch vollkommen für sich denken und fühlen kann, so als wäre er nur ein einzeln für sich dastehender Mensch.
[Fl.01_012,12] Ja, Ich sage euch noch hinzu: Es gibt in Meiner Unendlichkeit sogar mehrere solcher Himmel, und jeder Himmel ist für sich wieder ein vollkommener Mensch, und alle die Himmel bilden erst zusammengenommen wieder einen also unendlichen Menschen, welcher von niemandem gedacht und empfunden werden kann denn allein von Mir, da er eigentlich Mein Leib selbst ist oder der Gott in Seiner Unendlichkeit, der da Seine Selbst- und Alleinheit gewiß auf das allerbestimmteste und allerklarste denkt und fühlt, – und doch welche Vielheit des Lebens in Ihm!

Nächste Seite

Zurück zur Bibliographie


Lorber-Verlag, Hindenburgstraße 5, D-74321 Bietigheim-Bissingen, info@lorber-verlag.de