Erde und Mond, Leseprobe, Seite 3

[Er.01_028,11] Da gibt es gar herrliche Gegenden, welche sich jedoch nach der Beschaffenheit des Geistes richten; denn da wird schon jeder Geist der Schöpfer seines Fußbodens und der Gegend, in der er zu Hause ist. Diese Gegend ist überaus fruchtreich und reich an allen Dingen. Der Geist genießt da alles in der Fülle, und der Hunger in allem ist ferne von ihm. Und sehet, eben in diesem Genusse nimmt dann der Geist nach und nach alles das auf, was noch von seiner Wesenheit an der Erde kleben geblieben ist; und diese Früchte und die Gegenden werden gewisserart auf eine reflektierende Weise von der Erde aufsteigend in dieser dritten Region psychisch spezifisch gebildet, und der Geist erkennt sie als das Seinige, nimmt sie in seine Erkenntnis auf und kommt dann erst aus dieser seiner Erkenntnis in ein förmliches Schauen dessen, was das Seinige ist, genießt dann auch ebendasselbe und nimmt es völlig in seine Wesenheit auf. Wenn er nun alles dieses aufgenommen hat und er der Erde und sie ihm gewisserart nichts mehr schuldig ist, dann hat er erst seine völlige Solidität erreicht und kann dann zur höheren Vollendung in das Reich der Himmel aufgenommen werden.
[Er.01_028,12] Es kann aber jedoch auch Geister geben, die noch manches ihnen Gehörige aus euch schon bekannten Gründen in anderen Weltkörpern haben. Diese steigen dann auch zu den Sphären jener Weltkörper empor, woher sie entweder ihr Hauptspezifikum bezogen, oder wo sie einst schon körperlich gelebt haben, um auch dort das ihnen Gehörige abzuholen, – aber das alles auf dem Wege der Liebe, welche allein das anziehende Prinzip ist. Und das muß alles durch freie Wahl geschehen, in der ein jeder Geist anstrebt, in sich das zu sammeln, was Mein ist, und es Mir dann in seiner großen Liebe zu Mir vollkommen wiederzubringen.
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52. Kapitel – Seele und Geist im Menschen.

20. März 1847
[Er.01_052,01] Was die natürliche Erde betrifft, das haben wir in dem natürlichen Teile dieser Mitteilung so genau als möglich abgehandelt; daß aber diese scheinbar natürliche Erde nichts weniger als natürlich, d. h. materiell ist, werden wir eben durch die gegenwärtige weitere Enthüllung noch genauer erkennen, als wir es bisher erkannt haben.
[Er.01_052,02] Um aber in dieser Sache zu einer gründlichen Kenntnis zu gelangen, müssen wir das wohl recht fundamentalisch verstehen, was so ganz eigentlich Seele und Geist ist.
[Er.01_052,03] Es ist zwar dieser Unterschied schon gezeigt worden, und für sehr lichte Gemüter wäre das bereits Gesagte hinlänglich, um das Wesen des Geistes und der Seele voneinander gehörig zu sondern; aber für euch, die ihr in dem Fache des inneren Lebens noch nicht die richtige Beschaulichkeit habt, muß die Sache schon noch etwas klarer abgefaßt werden, damit ihr dadurch zu einer richtigen Beschaulichkeit gelangen könnet.
[Er.01_052,04] Die Seele ist das Aufnahmeorgan für alle endlos vielen Ideen des Urgrundes, aus dem sie wie ein Hauch hervorgegangen ist. Sie ist der Träger der Formen, der Verhältnisse und der Handlungsweisen. Alle diese Ideen, Formen, Verhältnisse und Handlungsweisen sind in ihr in kleinsten Umhüllungen niedergelegt.
[Er.01_052,05] Ein gerechtes Maß von allem dem in ein Wesen zusammengefaßt bildet eine vollkommene Menschenseele. Weil die Seele aber eben ein Kompendium von einer zahllosen Menge verschiedenartiger substanzieller Intelligenzpartikeln ist, so kann sie als ein Zusammengesetztes auch wieder getrennt werden in ihren Teilen, gleichsam wie die Luft, die zwar auch ein Kontinuum bildet und darstellt, aber dennoch einer unendlichen Trennung fähig ist.
[Er.01_052,06] Daß die Luft in größeren, kleineren und kleinsten Partien voneinander abgesondert werden kann, das beweist euch der nächste beste Schaum, der aus nichts als aus lauter Luftbläschen besteht, die durch die Bewegung einer etwas zähen Flüssigkeit entstanden sind. Wenn die Bläschen vergehen, so ist die darin verschlossene Luft gleich wieder eins mit der ganzen Masse; solange aber die Bläschen bleiben, schließen sie einen Teil Luft in sich und sondern diese durch die durchsichtige Wand von der äußeren Luft – wie ihr zu sagen pflegt – hermetisch geschlossen ab.
[Er.01_052,07] So ist auch das ganze Universum, ja die ganze Unendlichkeit erfüllt mit den Ideen der Gottheit, und dieselben, die die ganze Unendlichkeit ausfüllen, sind auch in einer Monade alle anzutreffen, aber natürlich in dem möglichst verjüngtesten Maßstabe, gleichwie die Luft im kleinsten Seifenbläschen alle dieselben Teile in sich faßt, welche in der allgemeinen Luft anzutreffen sind. – Das wäre sonach die Seele.
[Er.01_052,08] „Ja, was ist denn hernach der Geist?“ wird mancher Psychologe fragen. –
[Er.01_052,09] Der Geist ist in sich zwar keine Form, aber er ist eben dasjenige Wesen, das die Formen schafft; und erst, wenn die Formen geschaffen sind, kann er in eben diesen geschaffenen Formen selbst als Form wirkend auftreten, – was ebensoviel sagen will als:
[Er.01_052,10] Jede Kraft, wenn sie sich als solche beurkunden soll, muß sich eine Gegenkraft stellen; erst zufolge dieses geschaffenen Stützpunktes kann die Kraft ihre Wirkungen äußern und zur Erscheinlichkeit bringen.
[Er.01_052,11] Der Geist ist demnach gleich dem Lichte, welches in sich selbst zwar ewig Licht bleibt, aber als Licht so lange nicht bemerkbar auftreten kann, solange es keine Gegenstände gibt, die es erleuchtete.
[Er.01_052,12] Das Licht geht, wie ihr z.B. auch schon bei der Sonne seht, fortwährend gleichmäßig von ihr aus; aber ohne Gegenstand kann kein Auge sein Dasein merken. Eine mondlose Nacht hat ebensoviel von der Sonne ausgehendes Licht als eine mondhelle; aber im ersten Falle hat das Licht keinen Gegenstand droben im hohen Äther, und darum merkt es niemand, daß es vorhanden ist. Steht aber der Mond als ein tüchtiger Körper zur Nachtzeit im hohen Äther, da wird das ausgehende Sonnenlicht gleich sehr gewaltig wahrgenommen, und jedermann, der nur einigermaßen mit der Sternkunde vertraut ist, wird es leicht merken, wie und woher der Mond von der Sonne beschienen wird.
[Er.01_052,13] Die geistige Wirkung des Lichtes möget ihr sehr leicht in der Natur schon merken. Es liegt zwar in der Erde und in der Luft alles vorhanden, alle Formen des Seins und Werdens liegen in der scheinbaren Materie bewegungs- und regungslos beisammen, und es rührt sich nichts in ihnen; aber wenn das Licht kommt, da bekommen die wie tot beisammenliegenden Formen Leben, ergreifen sich und werden zu neuen Formen. Vergleicht nur den Winter und den Sommer miteinander, und des Lichts geistiges Wirken kann euch nicht entgehen!

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