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Jakob
Lorber
Erde
und Mond
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Durch
das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber. Fraktur-Nachdruck der Ausgabe
von 1953. Lorber-Verlag Hindenburgstraße 5 D-74321
Bietigheim-Bissingen. Alle Rechte vorbehalten. Copyright © 2000 by
Lorber-Verlag, Bietigheim.
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27.
Kapitel Entstehung und Zweck der Materie.
9.
Februar 1847 [Er.01_027,01] Bei der Betrachtung des geistigen Teiles der
Erde werden wir, um uns gründlich zu instruieren, eine retrograde Bewegung
machen und werden nicht aus der Tiefe in die Höhe, sondern aus der
Höhe in die Tiefe steigen, was da ganz in der Ordnung ist, weil man nicht
von innen nach außen, sondern von außen nach innen sich kehren
muß, um zu dem eigentlich Geistigen zu gelangen, das da bei jedem Dinge
das Tiefste und das Inwendigste ist. [Er.01_027,02] Es ist euch schon zu
oftmals gezeigt worden, daß innerhalb des Materiellen sich allezeit
Geistiges birgt, und wie die eigentlich schaubare Materie an und für sich
im Grunde nichts anderes ist als gefangenes, gefesseltes und fixiertes
Geistiges; dennoch aber soll auch hier zur gründlicheren Erkenntnis dessen
noch so manches Erläuternde folgen. [Er.01_027,03] Ihr könnt was
immer für eine Materie betrachten, so werdet ihr es dennoch nicht finden,
daß diese nur irgend als vollkommen solid in die Erscheinlichkeit tritt,
sondern jede Materie ist teilbar, weil sie aus Teilen besteht, und zwischen
diesen Teilen sind noch immer Räumchen, die von den Naturkundigen Poren
genannt werden. [Er.01_027,04] Über die Teilung der Materie ist bis
jetzt noch kein Gelehrter im reinen, und niemand kann es bestimmen, in welche
endlich kleinsten Teile die Materie teilbar ist. Man nehme nur z.B. einen Gran
Moschus, lege ihn in einem großen Gemache auf irgend einen Platz: in
kurzer Zeit wird das große Gemach in all seinen Räumen mit dem
Moschusdufte erfüllt sein, und man darf ein solches Stückchen viele
Jahre liegen lassen, und es wird weder an seinem Volumen noch an seinem
Gewichte etwas Merkliches verlieren; und doch mußten in jeder Sekunde
viele Millionen Teilchen sich von diesem Stückchen flüchtig
abgelöst haben, um fortwährend die weiten Räumlichkeiten des
Gemaches mit dem Moschusdufte zu erfüllen. Dergleichen Beispiele
könnten noch eine große Menge angeführt werden; allein für
unsere Sache genügt dieses einzige, um einzusehen, daß es da mit
irgend einer definitiven Bestimmung über die endliche Teilbarkeit der
Materie sicher seine geweisten Wege hat. Wenn aber nun dargetan ist, daß
wenigstens für eure Begriffe alle Materie bis in ein nahe unendliches
Minimun teilbar ist, so ist es doch anderseits mehr als klar, daß die
Materie notwendig aus Teilen zusammengesetzt sein muß. Wer aber zieht
diese Teile zusammen und klebt sie so fest aneinander, daß sie endlich
wie eine einfache Masse aussehen, die manchmal mehr, manchmal weniger fest ist?
Sehet, da ist schon die erste Stufe, auf welcher das Geistige beginnt.
[Er.01_027,05] Diese endlos kleinen Teile sind ursprünglich nichts als
lediglich eine Ideenkraft aus Mir, dem Schöpfer aller Dinge; diese
Ideenkraft bekommt Form, und die Form bekommt Leben aus dem Leben des
Schöpfers. [Er.01_027,06] Der Schöpfer gibt die neubelebte Form
frei von Sich, gibt ihr aus Seinem eigenen Urlichte ein Eigenlicht und mit
diesem Lichte, das lebendig ist, die eigene Intelligenz, durch die die
neubelebte Form sich erkennt und ihrer selbst wie ein selbständiges Wesen
bewußt wird. [Er.01_027,07] Hat die Form sich also erkannt, da wird
ihr die Ordnung, ein Gesetz alles Seins, gegeben, mit dieser Ordnung das
innerste Feuer der Gottheit, ein Funke der ewigen Liebe; aus dem geht hervor
der Wille. Nun hat die neubelebte Form Licht, Selbsterkenntnis,
Selbstbewußtsein, die Ordnung und den Willen und kann ihren Willen der
Ordnung gemäß einrichten oder auch dieser Ordnung dawiderhandeln.
[Er.01_027,08] Handelt und bewegt sich so ein neues Geschöpf der
Ordnung gemäß, so wird es wie ein Baum erfesten und wird als ein
vollkommenes, freies Wesen in dem großen Schöpfungsraume auftreten
zum ewigen Fortbestehen, weil all sein Wesen aus Mir, der Ich doch sicher ewig
bin und ewig sein werde, geschöpft ist; und darum ist der Mensch ein
Geschöpf, weil all sein Wesen aus Mir geschöpft ist, und sein Los
kann kein anderes sein als Mein eigenes, weil das seinige aus Mir
geschöpft ist, so, als wenn jemand aus dem Brunnen ein Wasser
schöpft, das Wasser im Gefäße gleich ist dem Wasser im Brunnen
und die gleiche Bestimmung hat als das Grundwasser im Brunnen, aus dem es
geschöpft wurde. [Er.01_027,09] Wenn aber so ein neues Wesen oder
Geschöpf mit seinem freien Willen der gegebenen Ordnung nicht Folge
leistet, so geht es natürlich seinem Untergange oder seiner Auflösung
entgegen, was ganz natürlich leicht begriffen werden kann.
[Er.01_027,10] Wenn jemand eine Pflanze in die Erde setzt, gönnt ihr
aber keine Feuchtigkeit, kein Sonnenlicht und keine Wärme, was wird
wohl mit der Pflanze? Nehmen wir aber an, die Pflanze hätte freies
Bewußtsein und könnte sich nehmen Wasser, Licht und Wärme, sie
wollte aber nicht, was wird aus ihr? Sie wird verdorren und vergehen.
[Er.01_027,11] Oder jemand wollte sich von einem Maler vollkommen
ähnlich abbilden lassen, will aber sein Antlitz dem Maler nie zuwenden,
was wird das am Ende für ein Abbild werden?
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