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Bischof
Martin Die Entwicklung einer Seele im Jenseits, Leseprobe, Seite
9
15.
Kapitel Des göttlichen Schiffsmannes Bußpredigt an Bischof
Martin.
[BM.01_015,01]
Nun rede wieder Ich als der Schiffsmann: Höre mich nun an und merke
genau, was Ich dir sagen werde! [BM.01_015,02] Siehe, wohl weiß Ich,
wie die Welt beschaffen ist, weil Ich es auch weiß, wie sie zu allen
Zeiten beschaffen war. Denn wäre die Welt nicht arg oder wenigstens nur
manchmal besser als ein anderes Mal, so hätte sie den Herrn der
Herrlichkeit nicht gekreuzigt! Da ihr großböser Mutwille aber schon
solches tat am grünen Holze, um wieviel weniger wird er des dürren
Reisigs schonen! Daher gilt für die Welt ein für alle Male das, was
aus dem Munde des Herrn im Evangelium geschrieben steht und lautet:
[BM.01_015,03] In diesen Tagen d.h. in der Zeit der Welt
braucht das Himmelreich Gewalt; nur die werden es besitzen, die es mit Gewalt
an sich reißen! Eine solche moralische Gewalt aber, Freund, hast du dem
Himmelreiche wohl nie angetan. Darum darfst du die Welt eben auch nicht zu sehr
anklagen, indem Meines höchst klaren Wissens du es zu allen Zeiten bei
weitem lieber mit der Welt als irgend mit dem Geiste gehalten hast! Denn in
diesem Punkte warst du eben einer der Hauptgegner aller geistigen
Aufklärung, ein Feind der Protestanten und verfolgtest sie ob der
vermeintlichen Ketzerei mit Haß und bitterstem Ingrimm!
[BM.01_015,04] Bei dir hieß es wirklich nie: Si mundus vult decipi!,
sondern ohne Gnade und Pardon: Mundus decipi debet! und das sine
exceptione! Ich aber sage dir, daß die Welt nirgends schlechter ist als
gerade in deiner und zumeist in deinesgleichen Sphäre! Ihr seid zu allen
Zeiten die größten Feinde des Lichtes gewesen, und es gab Zeiten, wo
ihr jedem nur um ein Haar heller Denkenden und Sehenden Scheiterhaufen
errichtet habt! [BM.01_015,05] Nicht die Fürsten der Welt suchten die
Finsternis bei ihren Völkern auszubreiten, sondern ihr waret es, die ihr
die Fürsten selbst in den Bannfluch legtet, so sie es wagten, etwas heller
zu denken, als es eurer finstersten, hierarchischen, tyrannischesten Despotie
genehm war! Wenn nun Fürsten selber finster sind hie und da, so sind sie
sogestaltig euer Werk; aber ihr waret nie ein Werk der Fürsten, sondern
jetzt wie zu allen Zeiten euer eigenes! [BM.01_015,06] Daß es nun
etwas schwerer ginge in manchem Lande, das vom Lichte von A bis Z keine Ahnung
mehr hat, das reine Licht Gottes einzuführen, das weiß Ich; aber wer
trägt daran die Schuld? Siehe, niemand sonst als ihr selbst!
[BM.01_015,07] Wer hieß euch je Götzentempel und barste
Götzenaltäre errichten? Wer hat euren lateinischen sogenannten
Gottesdienst angeordnet? Wer hat die Ablässe erfunden, wer die Schrift
Gottes verbannt und an deren Statt die absurdesten und lügenhaften
Legenden der sogenannten Heiligen eingeführt, wer die Reliquien, wer die
Millionen von allerlei heiligen Bildern und Schnitzwerken? Siehe,
niemand anderer, kein Kaiser und kein Fürst, sondern ihr! Ihr allein waret
zu allen Zeiten die Werkmeister der allerdicksten Finsternis, um darinnen
allerlei, groß und klein, zu fangen für euer Zepter!
[BM.01_015,08] Die Fürsten sind zumeist voll frommen Glaubens und
gehorsam eurer Lehre; sage mir, was hattest aber du, der du doch in der Schrift
bewandert warst, für einen Glauben? Und wem gehorchtest du wohl? Wieviel
hast du wohl gebetet, ohne dafür bezahlt zu sein? [BM.01_015,09] Sage,
kannst du wohl bei Gott nach all dem irgendeine Berücksichtigung erwarten,
indem die Welt nicht dich, sondern nur du die Welt in deinem Bezirke um vieles
schlechter gemacht hast, als sie ehedem war? [BM.01_015,10] Ich sage dir
aber: Was das Märtyrertum betrifft, das du angeführt hast, so
hättest du dich tausendmal eher aus herrschsüchtiger Liebe zur Nacht
ans Kreuz schlagen lassen, als nur einmal fürs reine Gotteslicht! So
hättest du auch von den Fürsten wenig zu besorgen gehabt, wenn du das
Licht hättest verkündigen lassen, und noch weniger von ihren
Aufsehern. Denn Ich weiß es nur zu gut, wie du den Fürsten
widerstandest, so sie sich gegen deine unsinnigsten, allen Menschen- und
Bruderwert verachtenden und verdammenden Forderungen sträubten!
[BM.01_015,11] Siehe, so sind Mir auch wenig Beispiele bekannt, daß
Fürsten wahrhaft helle Priester, die der Gotteslehre rein oblagen, ins
Loch steckten oder gar was von dir eine grobe Anschuldigung ist
in die Geisterwelt expedierten. Wohl aber sind mir eine ungeheure Zahl
Beispiele bekannt, daß nur ihr das an jenen tatet, die es gewagt haben,
reiner nach dem Worte Gottes zu leben! [BM.01_015,12] Wer da klug ist wie
eine Schlange und dabei sanft wie eine Taube und wandelt also des Herrn Wege:
meinst du wohl, daß der alte Gott schwächer geworden ist, als Er zu
den Zeiten der Apostel war, und somit jenem nicht mehr zu helfen
vermöchte, wenn er von der Welt bedräut wird? [BM.01_015,13] O
sieh, Ich könnte dir nebst Luther noch eine große Menge Brüder
anführen, die in einer allerfinstersten Zeit es dennoch gewagt haben, das
reine Gotteswort vor aller Welt zu bekennen. Und siehe, die Fürsten der
Welt haben keinem den Kopf vom Leibe getrennt; wohl aber ging's nur dem
schlecht, der reineren Geistes in eure Hände geriet! [BM.01_015,14] Du
wirst nun hoffentlich einsehen, daß hier, wo nichts als die reinste
Wahrheit, mit der ewigen Liebe geeint, nur gilt, mit all deinen
Entschuldigungen nichts erreicht wird außer mit der alleinigen Mea
quam maxima culpa! Das ist allein recht, alles andere gilt vor dem Herrn
nichts! Denn das wirst du wohl zugeben, daß Gott die Welt in ihren
kleinsten Fibern besser kennt von Ewigkeit her, als du sie je erkennen wirst.
Darum wäre es auch der größte Unsinn, so du Gott dem Herrn zu
deiner Entschuldigung beschreiben wolltest, wie sie ist; obschon du sagst,
daß du das nicht zu deiner Entschuldigung sagst, sondern nur, daß
der Herr mit dir eine Rücksicht nehmen solle ohne dabei im
geringsten zu bedenken, daß du selbst ein Hauptweltschlechtermacher
warst! [BM.01_015,15] Inwieweit du als ein Weltgefangener Rücksicht
verdienst, wird sie dir nicht um ein Haar entzogen werden; aber in allem dem,
was du ihr nun anwirfst, nicht die allergeringste! Was die Welt dir schuldet
vor Gott, das wird mit einer kleinen Rechnung abgetan sein. Aber deine Schuld
wird so kurz nicht ablaufen, außer du bekennst sie selbst reumütigst
und bekennst auch, daß nie du der du allzeit schlecht bist und
warst , sondern allein nur der Herr alles wieder gutmachen und dir
vergeben kann deine Schuld. [BM.01_015,16] Du hast wohl eine große
Furcht vor der Hölle, weil du dich in deinem Gewissen ihrer wert
fühlst und meinst, Gott werde dich da hineinwerfen wie einen Stein in
einen Abgrund. Du bedenkst aber nicht, daß du nur deine eingebildete
Hölle fürchtest, aber an der wirklichen ein großes Wohlgefallen
hast und nicht heraus willst in der Fülle! [BM.01_015,17] Siehe,
alles, was du bisher noch gedacht hast, war mehr oder weniger Hölle im
eigentlichsten Sinn! Denn wo nur noch ein Fünklein Selbstsucht
herausschaut und Eigendünkel und Beschuldigung anderer, da ist Hölle;
wo der fleischliche Sinn noch nicht freiwillig verbannt wurde, da ist noch
Hölle! Bei dir aber haftet das alles noch; somit bist du noch sehr stark
in der Hölle! Siehe, wie eitel da deine Furcht ist!
[BM.01_015,18] Der Herr aber, der Sich aller Wesen erbarmt, will dich
daraus erretten und nicht nach deiner römischen Maxime noch tiefer
hineinverdammen! Daher sage fürder auch nicht vom Herrn, daß Er den
durchaus in die Hölle Fahrenwollenden sage: ,So du denn durchaus zur
Hölle willst, so sei's! [BM.01_015,19] Siehe, das ist eine sehr
frevelnde Behauptung von dir! Du bist eben einer, der schon gar lange der
Hölle nicht entsagen will; wann aber hast du von seiten des Herrn ein
solches Gericht über dich vernommen? [BM.01_015,20] Bedenke diese
Meine Worte wohl und kehre dich danach in dir, so will Ich dies Schifflein also
lenken, daß es dich aus deiner Hölle in das Reich des Lebens bringen
soll. Es sei!
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