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Bischof
Martin Die Entwicklung einer Seele im Jenseits, Leseprobe, Seite
3
3.
Kapitel Bischof Martin in Gesellschaft eines scheinbaren Kollegen. Die
guten Vorschläge des Führers.
[BM.01_003,01]
Seht, nun setzt unser Mann seine Füße in Bewegung und geht behutsam
und prüfenden Schrittes seinem sich stets mehr bewegenden Gegenstande zu!
[BM.01_003,02] Nach wenigen Schritten auch schon ganz wohlbehalten dort,
staunt er nicht wenig, unter dem Baume auch einen Mann seinesgleichen zu
finden, nämlich auch einen Bischof in optima forma, freilich nur
der Erscheinlichkeit nach; denn in Wirklichkeit ist das der Engel, der stets
unsichtbar unserem Manne zur Seite war. Der Engel selbst aber ist der selige
Geist Petri. [BM.01_003,03] Höret nun, wie unser Mann seinen
vermeintlichen Kollegen anredet und sich weiterhin mit ihm bespricht! So
beginnt er: [BM.01_003,04] Seh ich recht oder ist es bloß ein
Augentrug? Ein Kollege, ein Mitarbeiter im Weinberge des Herrn?! Welch eine
endlose Freude, nach Millionen Jahren endlich wieder einmal einen Menschen, und
einen Kollegen noch dazu, in dieser Wüste aller Wüsten zu finden!
[BM.01_003,05] Ich grüße dich, lieber Bruder! Sage, wie bist
denn du hierher gekommen? Hast du etwa auch schon mein Alter in dieser
schönen Geisterwelt erreicht? Weißt, so zirka fünf Millionen
Jahre auf einem und demselben Flecke, fünf Millionen Jahre!
[BM.01_003,06] Der Engel als vermeintlicher Bischofskollege spricht:
Ich bin fürs erste dir ein Bruder im Herrn und natürlich auch
ein alter Arbeiter in Seinem Weinberge. Was aber mein Alter betrifft, da bin
ich der Zeit und dem Wirken nach älter, aber der Einbildung nach viel
jünger als du. [BM.01_003,07] Denn siehe, fünf Millionen Jahre
der Erde sind ein ganz respektabler Zeitraum für einen geschaffenen Geist,
obschon vor Gott kaum etwas, indem Sein Sein weder durch die Zeitenfolge
noch durch Raumesausdehnungen bemessen wird, sondern in allem ewig und
unendlich ist! [BM.01_003,08] Du bist daher in einer großen Irre als
Neuling in der endlosen Welt der Geister. Denn wärest du fünf
Millionen Jahre hier, dann hättest du schon lange ein anderes Kleid, indem
in dieser Zeit der Erde Berge schon lange werden geebnet und ihre Täler
ausgefüllt, ihre Meere, Seen, Flüsse und Moräste ausgetrocknet
sein. Und auf der Erde wird auch eine ganz neue Schöpfung bestehen, von
der nun noch nicht einmal der leiseste Keim in die Furchen gelegt ist!
[BM.01_003,09] Auf daß du, lieber Bruder, es aber selbst merkst,
daß dein vermeintliches Alter bloß eine in dir selbst
hervorgelockte Phantasie ist, als Entwicklung zugelassen aus dir selbst
entstammte nach deinen eigenen Begriffen von Zeit und Raum, die bei dir stark
mit der Hölle eingesalzen sind so siehe dich um und du wirst noch
deinen erst vor drei Stunden abgeschiedenen Leichnam entdecken!
[BM.01_003,10] Seht, unser Mann kehrt sich nun schnell nach
rückwärts und entdeckt wirklich seinen Leichnam noch auf dem dazu in
der Domkirche eigens errichteten Paradebette, darum eine zahllose Menge Kerzen
und eine noch größere Menge müßiger und neugieriger
Menschen, die dasselbe umstehen. Als er solchen Schauspiels ansichtig
ward, da wurde er sehr ärgerlich und sprach: [BM.01_003,11] (Der
Bischof:) Liebster Bruder, was soll ich da tun? Ach, welch ein
gräßlicher Unsinn! Mir werden vor der entsetzlichsten Langeweile
Minuten zu Ewigkeiten, und doch bin ich es ja, der diesen Leib bewohnt hat! Ich
weiß mir vor Hunger und Lichtmangel kaum zu helfen, und diese Narren
vergöttern meinen Fleischrock! Hätte ich nun als Geist denn nicht
Kraft dazu, diesen Plunder klein zu zerreißen und wie Spreu untereinander
zu werfen? O ihr dummen Gottstehunsbei! Was wollt ihr denn hier dem
stinkenden Dreck für eine Wohltat erweisen?! [BM.01_003,12] Der
Engel spricht: Kehre dich wieder zu mir und ärgere dich nicht;
tatest du doch dasselbe, als du noch der äußeren Naturwelt
angehörtest! Lassen wir das Tote den Toten begraben; du aber wende dich
von all dem ab und folge mir, so wirst du zum Leben gelangen!
[BM.01_003,13] Der Bischof fragt: Wohin aber soll ich dir folgen?
Bist du etwa gar mein Namenspatron, der hl. Bonifazius, daß du dich nun
so sehr um mein Heil zu kümmern scheinst? [BM.01_003,14] Spricht
der Engel: Ich sage in des Herrn Jesu Namen: du sollst mir zu Jesus
folgen! Der ist der rechte Bonifazius aller Menschen; aber mit deinem
Bonifazius ist es nichts, und ich bin es schon ganz und gar nicht, wofür
du mich anzusehen scheinst, sondern ein ganz anderer! [BM.01_003,15]
Folge mir aber, d.h. tue, was ich dir nun sagen werde, so wirst du fürs
erste alles fassen, was dir bis jetzt begegnet ist, und wie, durch was und
warum. Fürs zweite wirst du dich sogleich auf einem besseren Grunde
befinden; und endlich fürs dritte wirst du eben daselbst den Herrn quo-ad
personam kennenlernen, durch Ihn den Weg in die Himmel, und danebenher auch
mich, deinen Bruder! [BM.01_003,16] Spricht der Bischof: Rede,
rede, ich möchte schon lieber fliegen als gehen von diesem langweiligsten
Orte! [BM.01_003,17] Spricht der Engel: So höre! Lege
sogleich dein lächerliches Gewand ab und ziehe da diesen gemeinen
Bauernrock an! [BM.01_003,18] Spricht der Bischof: Nur her
damit; hier vertausche ich dies langweilige Kleid gerne mit dem gemeinsten
Fetzen! [BM.01_003,19] Spricht weiter der Engel: Gut
sieh, schon bist du im Bauernrocke; nun folge mir!
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