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Jakob
Lorber
Bischof
Martin
Die Entwicklung einer Seele im Jenseits
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Durch das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber. Nach der 3.
Auflage. Lorber-Verlag Hindenburgstraße 5 D-74321
Bietigheim-Bissingen. Alle Rechte vorbehalten. Copyright © 2000 by
Lorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen.
1.
Kapitel Des alten Bischof Martin irdisches Ende und seine Ankunft im
Jenseits.
[BM.01_001,01]
Ein Bischof, der auf seine Würde große Stücke hielt und
ebensoviel auf seine Satzungen, ward zum letzten Male krank. [BM.01_001,02]
Er, der selbst noch als ein untergebener Priester des Himmels Freuden mit den
wunderlichsten Farben ausmalte er, der sich gar oft völlig
erschöpfte in der Darstellung der Wonne und Seligkeit im Reiche der Engel,
daneben aber freilich auch die Hölle und das leidige Fegefeuer nicht
vergaß, hatte nun als selbst schon beinahe achtzigjähriger
Greis noch immer keinen Wunsch, von seinem oft gepriesenen Himmel Besitz
zu nehmen; ihm wären noch tausend Jahre Erdenleben lieber gewesen als ein
zukünftiger Himmel mit allen seinen Wonnen und Seligkeiten.
[BM.01_001,03] Daher denn unser erkrankter Bischof auch alles anwandte, um
nur wieder irdisch gesund zu werden. Die besten Ärzte mußten stets
um ihn sein; in allen Kirchen seiner Diözese mußten Kraftmessen
gelesen werden; alle seine Schafe wurden aufgefordert, für seine Erhaltung
zu beten und für ihn fromme Gelübde gegen Gewinnung eines
vollkommenen Ablasses zu machen und auch zu halten. In seinem Krankengemach
ward ein Altar aufgerichtet, bei dem vormittags drei Messen zur Wiedergewinnung
der Gesundheit mußten gelesen werden; nachmittags aber mußten bei
stets ausgesetztem Sanktissimum die drei frömmsten Mönche in einem
fort das Breviarium beten. [BM.01_001,04] Er selbst rief zu öfteren
Malen aus: O Herr, erbarme Dich meiner! Heilige Maria, du liebe Mutter,
hilf mir, erbarme dich meiner fürstbischöflichen Würden und
Gnaden, die ich trage zu deiner Ehre und zur Ehre deines Sohnes! O verlasse
deinen getreuesten Diener nicht, du alleinige Helferin aus jeder Not, du
einzige Stütze aller Leidenden! [BM.01_001,05] Aber es half
alles nichts; unser Mann verfiel in einen recht tiefen Schlaf, aus dem er
diesseits nicht mehr erwachte. [BM.01_001,06] Was auf Erden mit dem
Leichnam eines Bischofs alles für hochwichtige Zeremonien
geschehen, das wisset ihr, und wir brauchen uns dabei nicht länger
aufzuhalten; dafür wollen wir sogleich in der Geisterwelt uns umsehen, was
unser Mann dort beginnen wird! [BM.01_001,07] Seht, da sind wir schon
und seht, da liegt auch noch unser Mann auf seinem Lager; denn solange
noch eine Wärme im Herzen ist, löst der Engel die Seele nicht vom
Leibe. Diese Wärme ist der Nervengeist, der zuvor von der Seele ganz
aufgenommen werden muß, bis die volle Löse vorgenommen werden kann.
[BM.01_001,08] Aber nun hat dieses Mannes Seele schon völlig den
Nervengeist in sich aufgenommen, und der Engel löst sie soeben vom Leibe
mit den Worten: Epheta, d.h. Tue dich auf, du Seele; du Staub
aber sinke zurück in deine Verwesung zur Löse durch das Reich der
Würmer und des Moders. Amen. [BM.01_001,09] Nun seht, schon
erhebt sich unser Bischof, ganz wie er gelebt hatte, in seinem vollen
Bischofsornate und öffnet die Augen. Er schaut erstaunt um sich und sieht
außer sich niemanden, auch den Engel nicht, der ihn geweckt hat. Die
Gegend ist nur in sehr mattem Lichte gleich einer ziemlich späten
Abenddämmerung, und der Boden gleicht dürrem Alpenmoose.
[BM.01_001,10] Unser Mann erstaunt nicht wenig über diese sonderbare
Bescherung und spricht nun zu sich: Was ist denn das? Wo bin ich denn?
Lebe ich noch oder bin ich gestorben? Denn ich war wohl sehr krank und es kann
leicht möglich sein, daß ich mich nun schon unter den Abgeschiedenen
befinde! Ja, ja, um Gotteswillen, es wird schon so sein! O
heilige Maria, heiliger Joseph, heilige Anna, ihr meine drei mächtigsten
Stützen: kommet und helft mir in das Reich der Himmel!
[BM.01_001,11] Er harrt eine Zeitlang, sorglich um sich spähend, von
welcher Seite die drei kommen würden; aber sie kommen nicht.
[BM.01_001,12] Er wiederholt den Ruf kräftiger und harrt; aber es
kommt immer noch niemand! [BM.01_001,13] Noch kräftiger wird derselbe
Ruf zum drittenmal wiederholt, aber auch diesmal vergeblich!
[BM.01_001,14] Darob wird unserem Manne überaus bange. Er fängt
an, etwas zu verzweifeln und spricht in seiner stets verzweifelter werdenden
Lage: Oh, um Gotteswillen, Herr, steh mir bei! (Das ist aber nur sein
angewöhntes Sprichwort.) Was ist denn das? Dreimal habe ich
gerufen, und umsonst! [BM.01_001,15] Bin ich denn verdammt? Das kann
nicht sein, denn ich sehe kein Feuer und keine Gottstehunsbei!
[BM.01_001,16] Hahahaaaaa (zitternd) es ist wahrhaft schrecklich!
So allein! O Gott, wenn jetzt so ein Gottstehunsbei herkäme, und
ich keinen Weihbrunn, dreimal consekriert, kein Kruzifix, was
werde ich tun?! [BM.01_001,17] Und auf einen Bischof soll der
Gottstehunsbei eine ganz besondere Passion haben! Oh, oh, oh (bebend vor
Angst), das ist ja eine ganz verzweifelte Geschichte! Ich glaube gar, es stellt
sich bei mir schon Heulen und Zähneklappern ein? [BM.01_001,18] Ich
werde mein Bischofsgewand ablegen, da wird Gottstehunsbei mich nicht erkennen!
Aber damit hätte Gottstehunsbei vielleicht noch mehr Gewalt über
unsereinen?! O weh, o weh, was ist der Tod doch für ein
schreckliches Ding! [BM.01_001,19] Ja, wenn ich nur ganz tot wäre, da
hätte ich auch keine Furcht; aber eben dieses Lebendigsein nach dem Tode,
das ist es! O Gott, steh mir bei! [BM.01_001,20] Was etwa geschähe, so
ich mich weiterbegäbe? Nein, nein, ich bleibe! Denn was hier ist, das
weiß ich nun aus der kurzen Erfahrung; welche Folgen aber nur ein
rätselhafter Tritt weiter vor- oder rückwärts hätte, das
wird allein Gott wissen! Daher will ich in Gottes Namen und im Namen der
seligsten Jungfrau Maria lieber bis auf den Jüngsten Tag hier verharren,
als mich nur um ein Haarbreit vor- oder rückwärts
bewegen!
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